Wien: Die Opernzwillinge "Cavalleria rusticana" von Mascagni und "Pagliacci" von Leoncavallo -Repertoire mit Starbeteiligung

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Schon von Beginn an irrt sie auf der Bühne herum. Sie leidet verzweifelt, weil ihr gewahr wurde, dass Turiddu sie betrügt und sie selbst eine Ausgestoßene ist. Aber nicht nur in diesen ersten zwanzig Minuten ihres wortlosen Spiels, sondern während des gesamten Stücks zeigt Elina Garanca intelligentes und mitreißendes Opernspiel. Und es ist herrlich, wenn sie dann ihren prachtvollen, dunkel gefärbten Luxus - Mezzosopran erklingen lässt: Sie kann mit dramatischen Ausbrüchen aber auch mit inniger Mezza voce und feiner Phrasierung ungemein berühren. Die lettische Starsängerin hat eine neue Traumpartie gefunden und ist nun im dramatischen Fach angekommen. Sie ist in „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni an der Wiener Staatsoper zweifellos der Star des Abends. Ihr zur Seite erlebt man mit Yonghoon Lee einen stets lautstarken, ziemlich eindimensionalen Turiddu mit ungefährdeten, schönen Höhen. Paolo Rumetz ist ein sehr gemütlicher Alfio, der seine Auftrittsarie verschenkt. Svetlina Stoyanova ist eine eher blasse Lola, Zoryana Kuspler singt die Mama Lucia recht solide aber mit zu wenig Präsenz.

Auch beim zweiten der Opernzwillinge „Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo, die gemeinsam wieder nach fünf Jahren in dieser Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle gezeigt werden, dominiert eine lettische Dame das Geschehen: Marina Rebeka als Nedda. Vielleicht etwas scharf in der Höhe punktet sie mit kraftvollem Sopran, dem es für diese Rolle allerdings schon etwas an Leichtigkeit fehlt. Auf Grund seiner Körperfülle für ein allzu aktives Spiel beeinträchtigt kann Fabio Sartori als Canio aber mit tollen Höhen punkten. Auch in seiner Paradearie „Ridi Pagliaccio“ zeigt er keinerlei Ermüdungserscheinungen. George Petean fasziniert als Tonio mit weichen, geschmeidigen Tönen seines ausgesprochen schönen Baritons nicht nur in seinem Prolog. Er schleudert auch seine letzten Worte „La commedia è finita“ schneidend ins Publikum. Exzellent hört man auch Jörg Schneider als Beppo. Solide singt Orhan Yildiz Neddas Liebhaber Silvio. Der viel beschäftige und spielfreudige Chor des Hauses singt in beiden Opern stimmkräftig und sehr homogen (Einstudierung: Thomas Lang).

Leidenschaft in unterschiedlichem Ausmaß ist zwar im Orchester der Wiener Staatsoper unter Graeme Jenkins durchaus erkennbar. Manche Szenen wirken jedoch zu knallig und es fehlt insgesamt an Subtilität.

Erstaunlich vital und ideenreich zeigt sich die traditionelle, 34 Jahre alte Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle in den prachtvollen, naturalistischen Kulissen eines süditalienischen Dorfes!

Riesenjubel!

 

Helmut Christian Mayer

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