Wien: Das säuselnde und rauschende Meer bei den Wiener Philharmonikern unter Philippe Jordan

Xl_car-jordan-phillies-wien-1-24 © Helmut Christian Mayer

„Die Zeit des Flieders und die Zeit der Rosen ist mit unserer Liebe gestorben für immer“: Unterlegt von einem Klangteppich, bei dem nur das Solocello mit einer sanften Kantilene leicht hervorstach, ließ Nicole Car dieses Lied mit ihrem ausdrucksvollen, fein timbrierten Sopran sehnsuchtsvoll ausklingen. Es war der Abschluss des herrlichen „Poem de l’amour et de la mer“ (nach den gleichnamigen, schwärmerischen Gedichten von Maurice Bouchor) das zu den populärsten Werken des französischen und leider nur selten aufgeführten Komponisten Ernest Chausson zählt. Dabei traf die Australierin nur selten mit etwas zu viel Schärfe sonst aber immer mit subtiler Phrasierung und tiefer Empfindsamkeit ideal den eher düsteren Ton des Werkes. Die Wiener Philharmoniker unter Philippe Jordan wussten dazu ein wunderbares, impressionistisches Klanggemälde zu malen.

Das unendliche Meer stand auch sonst im Mittelpunkt des Programmes dieses Abonnementkonzertes im Wiener Musikverein, weswegen zum Auftakt gleich die Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ von Felix Mendelssohn Bartholdy zu erleben war.

Die „Four Sea Interludes“ - Vier Seebilder von Benjamin Britten, Zwischenspiele aus der Oper „Peter Grimes“, gaben in zauberhaften Bögen die Ausdruckspalette des Musikdramas wieder und schilderten auch Naturstimmungen am Meer. Und sie erklangen wie das Meer expressiv, gewaltig, spannungsgeladen, düster und unberechenbar gefährlich. Neben der „Dämmerung“ gefielen besonders die „Mondlicht“-Impressionen („Moonlight“)

Und schließlich konnte man Claude Debussys ganz persönliche Eindrücke seiner Meeresbeobachtungen hören. Bei seiner impressionistischen Dichtung, den drei sinfonischen Skizzen „La Mer“, eines seiner meistgespielten Werke,konnte man das weite, rauschende und säuselnde Meer mit allen Sinnen förmlich erspüren. Reich aufgefächert waren die funkelnden Klangvaleurs mit vielen raffinierten Feinheitenbei den Musikern zu erleben!

Zum Finale gab es großer Jubel im Goldenen Saal des Wiener Musikvereinsgebäude.

Dr. Helmut Christian Mayer

 

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