Verdis "Ernani" auf DVD aus Monte Carlo: Intensive Racheschwüre

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Gleich drei Männer wollen die gleiche Frau. Diese, Elvira, liebt natürlich nur den Tenor, den Banditen Ernani, wird aber auch vom jungen König Karl V. umgarnt und ist mit dem greisen Verwandten Silva sogar schon verlobt: Genügend erotischer Konfliktstoff, das Libretto von Francesco Maria Piave basiert auf Victor Hugo, und viele Möglichkeiten für eine szenische Umsetzung also. Wenn da nicht diese sehr krude, für heute grotesk anmutende und schwer nachvollziehbare Sache mit den Schwüren und der Ehre wäre, die über alles stehen und für die man sich im Bedarfsfall sogar selbst umbringen muss.

Und so erscheint es doch nicht so leicht, Giuseppe Verdis „Ernani“ in Szene setzen zu können. Jean-Louis Grinda, gleichzeitig auch seit 2007 Operndirektor des hiesigen Hauses, wählt für die Produktion an der Opéra Monte-Carlo aus 2014, die jetzt kürzlich bei ARTHAUS Musik auf DVD Nr. 109344 erschienen ist, einen durchaus traditionellen Ansatz: Vor überwiegend roten Gemälden mit Kriegsszenen oder Vorhängen, Rüstungen auf kleinen Podesten, am Grabmal Karl des Großen in einer düster dunklen Stimmung mit stimmungsvollem Kerzenlicht und zum Finale unter einem blauen Sternenbaldachin erzählt er den Plot überwiegend statisch in historisierten Kostümen (Teresa Acone) und vielen, schrecklich falschen Bärten bei Silva und seinen Mannen. Was dieser Szene allerdings ihren eigentlichen Reiz verleiht, sind die riesigen Spiegel, in verschiedenen Positionen, schräg von oben oder seitlich aufgestellt, ein zwar nicht wirklich neuer Einfall aber immer noch wirkungsvoll, die immer wieder eine zweite Perspektive des Betrachters ermöglichen. (Bühnenbild: Isabelle Partiot-Peri).  

Das Frühwerk Verdis mit wunderbaren Arien, Ensembles und Chören wird hier in Monte Carlo zum Sängerfest: Ramón Vargas singt den Titelhelden mit viel tenoralem Schmelz, müheloser Höhe, sowie reich an Emotionen. Über eine flexible, koloraturensichere Stimme, die auch zu dramatischen, allerdings teils vibratoreichen Ausbrüchen fähig ist, verfügt Svetla Vassilieva als Elvira. Ludovic Tézier kann mit seinem noblen und warmen Bariton als Don Carlo faszinieren. Alexander Vinogradov als finsterer, unerbittlicher Don Ruy Gomez De Silva weiß mit gewaltigem Volumen und intensivem Ausdruck zu faszinieren. Auch die kleineren Partien sind alle durchaus adäquat besetzt. Beeindruckend an Stimmgewalt und Ausdruck ist der Chor der Opéra Monte-Carlo, dessen Einstudierung Stefano Visconti besorgt hat, zu hören.

Von hoher Qualität erweist sich das Monte-Carlo Philharmonische Orchester unter Daniele Callegari, der eine ganz besondere Affinität zu Verdis Musik hat. Es wird mit feinen Tönen aber auch mit viel Brio, dramatischen Zupack und Feuer musiziert.

Die Videoregie von Stéphan Aubé wirkt sehr professionell und ist immer am Brennpunkt des Geschehens.

Dr. Helmut Christian Mayer

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