Uraufführung der Kinderoper "Persinette" von Albin Fries an der Wiener Staatsoper: Kindergerechtes Märchen mit Bühnenzauber

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Spätromantisch, schillernd, eingängig, durchaus ins Ohr gehend ist die Musik: Albin Fries scheut bei der erfolgreichen Uraufführung seiner Kinderoper „Persinette“, einem Auftragswerk der Wiener Staatsoper weder Tonalität noch Melodie. Der österreichische Komponist, der schon zwei Opern und einiges an Kammermusik erdacht hat und an der Staatsoper als Korrepetitor wirkt, arbeitet auch mit Leitmotiven: So ordnet er der Persinette ein zartes Flötenmotiv zu. Den Prinzen erkennt man am Hornruf. Die Auftritte der Hexe werden mit keifenden Klarinettenterzen aber auch einem brutalen Posaunenmotiv begleitet. Den Raben charakterisiert die Tuba. Was vielleicht fehlt, ist ein echter, mitsingbarer Ohrwurm. All seine musikalischen Ideen werden vom Bühnenorchester der Wiener Staatsoper unter dem präzisen Guillermo García Calvo, der auch den großen Sound liebt, farbprächtig, funkelnd, nuanciert und klangschön wiedergegeben.

Birgit Mathon hat zur Musik und zum bekannten Rapunzelmärchen ein kindergerechtes Libretto maßgeschneidert.

Als Persinette/Rapunzel erlebt man Bryony Dwyer. Sie singt die Titelrolle mit glockenreinem, wunderbarem Sopran und spielt ganz entzückend. Ihr Prinz heißt Lukhanyo Moyake, der stimmlich mit ihr nicht ganz mithalten kann, den man mit hellem, teils zu schmachtenden Tenor hört. Monika Bohinec ist eine zuerst dämonische und stimmgewaltige Hexe mit Spitzhut und Zauberstab, die hier Alse heißt. Sie verwandelt sich beim Happyend sogar zu einer gutmütigen Frau, hebt all ihren Zauber auf, lässt die Liebe von Persinette und dem Prinzen zu und bekommt auch einen Mann, indem sie den verzauberten Raben Abrasax wieder in einen Menschen zurückverwandelt. Dieser wird von Sorin Coliban sehr warmstimmig und sympathisch verkörpert. Regine Hangler als Mutter und Orhan Yildiz als Vater, sowie die ungemein engagierten Kinder der Opernschule der Staatsoper singen makellos.  

Ausfahrbare, bunte Bausteine in verschiedenen Größen beherrschen die Bühne. Mit Projektionen werden sie zum Blumengarten, zur Eiswüste aber auch zum Turm, wo Rapunzel von der Hexe gefangen gehalten wird. Zum Schluss scheinen die bunten Bausteine sogar durch den Zuschauerraum zu fliegen. Regisseur Matthias von Stegmann und sein Bühnen- und Videodesigner Marc Jungreithmeier ist ein sehr fantasievoller, farbiger, lebendiger, ideenreicher und vor allem kindergerechter Bühnenzauber gelungen. Die Umbauten erfolgen von kleinen Helferchen, die wie Lego-Steine aussehen.

Und die Kinder, bekanntlich das kritischte Publikum, jubelten begeistert.

Dr. Helmut Christian Mayer

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