© Fabio Parenzan
Sofort zum ersten brutalen Schlag des Orchesters fällt der riesige, alles verdeckende und sich während des Einlasses blähende, goldene Vorhang jäh herunter. Er gibt den Blick auf einen angedeuteten, heruntergekommenen Palast frei. Erhöht auf der Hinterbühne spielt das Orchester, vorne ist die Spielfläche, wobei auch das Parkett miteinbezogen wird. Hier tritt Klytämnestra mit Fackelträgern und Gefolge über die Zuschauerreihen auf. So spektakulär aber auch archaisch - auch mit historisierten, ästhetischen Kostümen - zeigt sich „Elektra“von Richard Strauss am Teatro Verdi in Triest, der letzten Produktion der diesjährigen Saison. Auf der Vorderbühne steht eine Art Bassin, aus dem stets Rauchschwaden aufsteigen. Hier werden Elektras Träume, der Mord an Agamemnon, der nackt und völlig blutverschmiert dann die Bühne betritt, visualisiert. Hier wird auch die Handlung, die im Gesang beschrieben wird, mit diversen durchchoreographierten Figuren gespiegelt.
Marco Filiberti hat sich dies alles erdacht und überzeugt aber auch sonst, immer hart an Text und Musik, mit spannender, ideenreicher und ausgefeilter Personenführung. Geradezu detailverliebt zeigt der Regisseur wie Elektra bei der Erkennungsszene mit Orest diese liebevoll umkost. Und auch die zentrale Auseinandersetzung zwischen ihr und ihrer Mutter Klytämnestra geht unter die Haut.
Enrico Calesso dirigiert das große besetzte Orchester des Teatro Verdi mit packendem Zugriff. Es gelingt ihm, viel Spannung, archaische Mystik und luxuriöse Klangpracht zu erzeugen. Er lässt Strauss geniale Musik brodeln, stöhnen und kreischen. Manche Akzente hätte man sich noch etwas wuchtiger gewünscht.
Durch die Situierung des Orchesters auf der Hinterbühne, wird das ungemein stark besetzte Ensemble nie zugedeckt, denn alle stimmkräftigen Protagonisten singen auch auf den großen Bühnen weltweit: Elena Batoukova-Kerl agiert als Titelheldin enorm intensiv mit allen Spitzentönen. Okka von der Damerau ist eine sehr präsente Klytämnestra mit expressiver Ausdruckskraft. Simone Schneider, soeben noch als Siegelinde an der Wiener Staatsoper zu erleben, ist eine aufblühende, berührende Chrysothemis, Mikhail Petrenko ein stimmkräftiger Orest. Alexander Schulz ein idealer Ägisth. Tadellos besetzt, nur teils kaum verständlich, sind die vielen kleineren Rollen, verlässlich singt der Chor des Teatro Verdi.
Großer Jubel!
Dr. Helmut Christian Mayer
21. Juni 2026 | Drucken

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