Triest: Gounods "Roméo et Juliette" als poesievoller Glücksmoment

Xl_romeo_et_juliette-_fabio_parenzan-triest-5-26-5 © Fabio Parenzan

Es gibt sie, diese musikalischen Glücksmomente, wenn einfach (fast) alles passt. Jetzt zu erleben am Teatro Verdi in Triest, das mit einer sängerischen Luxusbesetzung der beiden Hauptfiguren, die schon vielen großen Häusern aufgetreten sind, bei „Roméo et Juliette“ von Charles Gounod aufwarten kann. Galeano Salas ist ein Roméo mit schönem und höhensicherem Tenor. Er singt den Liebhaber mit viel Schmelz, stilistischer Eleganz, brennender Intensität, ungefährdeter vokaler Strahlkraft sowie reichem Ausdruck. Nina Minasyan ist seine bezaubernde Julia, die sie berührend, samtweich, reich an Schattierungen, mit strahlender Höhe und glasklaren Koloraturen singt. Und sie spielen das Liebespaar auch sehr berührend. Auch die meisten kleineren Rollen sind ideal besetzt: Nina van Essen als stimmlich exquisiter, kraftvoller und sehr präsenter Stéphano, Christian Federici als kerniger Mercutio, Alessandro Abis als einfühlsamer Frére Laurent, Gillan Munguía als souveräner Tybalt, ebenso wie Caterina Dellaere als Gertrude. Souverän singt auch der Chor des Teatro Verdi. Einzige Schwachstellen im Ensemble sind Luca Dall’Amico, der den Capulet mit reifem, unschönem Timbre singt sowie Fulvio Valenti als Herzog von Verona, der bei seinem kurzen Auftritt regelrecht distoniert.

Temperamentvoll aber auch sehr einfühlsam ist Leonardo Sini am Pult des teils packend auftrumpfenden Orchesters des Teatro Verdi zu erleben. Dieses versprüht viel französisches Parfüm und auch hochemotionale, sinnliche Raffinesse voll Magie.

Das Werk, das 1867 mit großem Erfolg in Paris uraufgeführt wurde und in Frankreich die populärste Oper des Komponisten wurde, stellt sicher die einheitlichste Partitur in Gounods Schaffen dar.

Auch szenisch weiß die tragische Geschichte vom berühmtesten Liebespaar aller Zeiten sehr zu berühren. Abgesehen von einigen projizierten Kampfhandlungen aus dem ersten Weltkrieg beim Vorspiel werden mit Projektionen auf schräge Spiegel beeindruckende und stimmungsvolle Bilder mit magischen Lichtstimmungen der jeweiligen szenischen Örtlichkeiten (Szene: Francesca Tunno) gezeigt. Besonders beeindruckend: Der Balkon der Julia vor einem Sonnenuntergang am Meer. Die Personen unterstützt von Tänzern werden von Regisseur Paolo Valerio alle einfühlsam, klug und Libretto gemäß geführt. Man merkt, dass er auch Schauspieler ist. Insgesamt auch optisch eine poesievolle Meisterleistung.

Jubel!

Dr. Helmut Christian Mayer

 

| Drucken

Mehr

Kommentare

Loading