Salzburger Festspiele: Zum Finale sang ein trautes aber ungleiches Ehepaar

Xl_netrebko-eyvazov-bigamini-mozarteum-salzburg-8-18-2 © Marco Borelli

Der Hype war wieder einmal gewaltig: Schon vor dem Festspielhaus waren viele Fotografen auf der Suche nach prominenten Besuchern sowie Fans, die noch Karten für das ausverkaufte Konzert ergattern wollten. Und dann im Saal, wo noch zusätzliche Stühle am gedeckten Graben aufgestellt waren, fieberte auch viel Prominenz und Adabeis dem Ereignis entgegen. Denn viele waren ja eigentlich nur wegen ihr gekommen. Und dann erschien sie, zuerst in einer prächtigen, zwischen hellblau und bordeauxrot changierenden Robe, nach der Pause in einem prachtvollem weißen Kleid mit Goldornamenten.

Anna Netrebko und ihr Gatte Yusif Eyvazov sangen unter dem Motto "A due voci" italienische Arien und Duette von Gioacomo Puccini und Giuseppe Verdi zum Abschluss der Salzburger Festspiele. Und man konnte sich einmal mehr überzeugen, dass sich die Starsopranistin selbst auf dem Höhepunkt ihrer Stimm- und Gestaltungskunst befindet: Von zart bis zu leidenschaftlichen, intensiven Ausbrüchen reicht die reiche Palette ihrer Ausdrucksmöglichkeiten. Zudem erlebt man ein weites, teils glühendes Farbspektrum, delikate Legatokultur, phänomenale Leichtheit und Eleganz ihres luxuriösen, dunklen, samtigen Soprans. Sie stieg gleich direkt angsteinflößend und saftig mit der Lady Macbeth eine ihrer neueren Paraderolle („Vieni! t‘affretta“) ein. Innig geriet ihr das Gebet der Tosca „Vissi d‘arte“, ergreifend die Arie der Butterfly „Un bel di, vedremo“.

Während man bei Anna Netrebko unwillkürlich wieder ins Schwärmen geriet, traf dies auf ihren Gatten Yusif Eyvazov nicht zu. Wie bekannt, ist seine Naturstimme riesengroß und mit bombensicherer Höhe ausgestattet. Jedoch verfügt er speziell in der Mittellage über ein sehr metallisches, unschönes Timbre seines insgesamt eindimensionalen Tenors, dem es an Italianitá, Farben, Nuancen und Feinheiten fehlt. Am besten geriet ihm noch die Stretta „Di quella pira“ aus Il trovatore aber bei „E lucevan le stelle“ aus Tosca und „Nessun dorma“  aus Turandot waren diese Defizite stark erkennbar. Gemeinsam sangen die beiden noch traut vereint Liebesduette aus Otello, Tosca und Butterfly. Glänzend hörte man das Mozarteumorchester Salzburg unter Jader Bignamini, der mit dem Ehepaar schon öfters auf Tournee war und der sehr aufmerksam begleiten ließ. Er trug beide auf Händen, ließ vor allem ihm bei den Spitzentönen viel Freiraum. Zudem konnten die Musiker bei den Vor- und Zwischenspielen aus Nabucco, Manon Lescaut, Cavalleria rusticana ihre hohe Klasse ausspielen, ein Extralob gilt dem Solocellisten.

Nicht erst am Ende, sondern auch zwischendurch gab es Riesenjubel, der sich allerding zum Schluss vor zahlreichen Kamerateams relativ kurzhielt. Keine Zugabe!

Helmut Christian Mayer

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