Salzburg Subtile Liedkunst, eine sanfte Liebeserklärung und imposante Klanggewalten

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„Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen…“: Es war subtile Liedkunst vom Feinsten mit wunderbaren Phrasierungen und einem weiten vokalen Farbenspektrum als sie zum Singen anhob. Okka von der Damerau gestaltete im Großen Festspielhaus in Salzburg bei den Festspielen wortdeutlich die „Kindertotenlieder“ von Gustav Mahler mit einem Reichtum an beseelten Ausdrucksmöglichkeiten, mit stiller Elegie und einem wundervoll beruhigten Schluss, der die Trauer in stille Zuversicht auflöste. In seinem Komponierhäuschen in Maiernigg am Wörthersee in Kärnten/Österreich schrieb Gustav Mahler diese fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert: Es ist eine Klage des verzweifelten Dichters über den Tod seiner beiden jüngsten Kinder. Subtil war auch die Begleitung von den Wiener Philharmonikern unter Daniel Barenboim.

Spätestens seit Luchino Viscontis Film „Der Tod in Venedig“ erlangte das dort verwendete Adagietto große Popularität, das eigentlich als sanfte Liebeserklärung Gustav Mahlers an seine Frau Alma gedacht war. Die sehr gut disponierten Musiker ließen es mit meditativ verträumter Innigkeit und fein modellierten Tönen erklingen. Barenboim ließ sich bei diesem wohl bekanntesten Musikstück Mahlers viel Zeit und kostete die Phrasen und die zarten Nuancen voll aus. Aber auch sonst gefiel, abgesehen von wenigen, kaum ins Gewicht fallenden Präzisionsmängeln, die 5. Symphonie unter seiner Stabführung außerordentlich: Mit flirrenden, farbigen, warmen Streichern, ausgewogenem Holz und meist punktgenauem Blech. Vor allem der Solohornist glänzte. Mahlers Klangwelten trumpften aber auch mit aufwühlenden Gefühlsausbrüchen auf.  Mit exzellenten Solisten in allen Instrumentengruppen wurden die vielen Nuancen des interpretatorisch enorm anspruchsvollen Stückes mit großer Spannung und strahlenden Steigerungen herausgearbeitet.

Riesenjubel!

Dr. Helmut Christian Mayer

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