"Salome" an der Wiener Staatsoper: Packende Emotionen

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Michael Boder zählt derzeit sicher zu den begehrtesten Dirigenten für das zeitgenössische Musiktheater: Nach seinem erfolgreichen Dirigat bei Manfred Trojahns „Orest“ gab er nun sein Hausdebüt mit Richard StraussSalome“ am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper. Dabei vermochte der deutsche Dirigent mit präziser Schlagtechnik die farbenreichen Fassetten und starken Emotionen der überwältigenden Partitur voll auszukosten. Er ließ die gewaltigen, spannungsgeladenen Steigerungen, die immer wieder wild ausfahrenden Momente und die schneidende Klänge aus dem Graben effektvoll erklingen, ohne dabei zu sehr auf das Forte-Pedal zu steigen.

Das Ensemble wussten ihm, sein sängerfreundliches Dirigat mit überwiegend faszinierenden Tönen zu danken: Gun-Brit Barkmin, mittlerweile als Salome weltweit unterwegs, punktete zwar mit fein nuancierten, einschmeichelnden Tönen, jedoch klangen manche ihrer dramatischen Spitzentöne nicht ganz mühelos und nicht immer ganz intonationsrein. Sie konnte sich bei ihrem Schlussgesang jedoch grandios steigern. Auch darstellerisch faszinierte sie weniger mit Erotik, sehr zurückhaltend war der Schleiertanz, als mit feiner Psychologie. Markus Marquart hat allerdings für den Johanaan nicht das notwendige Format. Denn er war für den fundamentalistischen Prediger viel zu wenig durchschlagskräftig. Vor allem von seinem Verließ aus war er kaum hörbar zu vernehmen.

„Sie ist ein Ungeheuer, deine Tochter. Ich sage dir, sie ist ein Ungeheuer“: Wortdeutlichst und messerscharf mit seinem klaren, hellen Tenor lässt uns jedes Wort erschauern! Herwig Pecoraro, eine langjährige Stütze des Hauses, weiß dem Herodes, großes Profil zu geben! Auch das Hin- und Hergerissensein zwischen Geilheit, Eidestreue und Ekel setzt er gestalterisch effektvoll um. Exzessiv und extrem böse wirkte Jane Henschel als Herodias. Jörg Schneider sang einen schön timbrierten, Narraboth. Von den kleineren Partien beindruckte Ulrike Helzel als Page. Die vielen kleineren Rollen wiesen keine Schwachstellen auf.

Uralt und nur noch rudimentär vorhanden aber immer noch sehr praktikabel ist die Inszenierung von Boleslaw Barlog aus dem Jahr 1972, die zwar von ziemlicher Statik geprägt ist, in der sich aber jeder Protagonist nach seinen Fähigkeiten selbst einbringen kann. Immer noch ungemein ästhetisch ist die vom Jugendstil und von der Ornamentik eines Gustav Klimt inspirierten Kostüme und das grün-blau-goldene Bühnenbild von Jürgen Rose, das auf die Entstehungszeit der in Dresden 1905 uraufgeführten Oper hinweist.

Kurzer heftiger Beifall!

Dr. Helmut Christian Mayer

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