„Rusalka“ von Antonín Dvořák in Wien: Nur im Musikalischen findet sich die Poesie

Xl_rusalka-car-beczala-_c__wiener_staatsoper_-_michael_p_hn-wien-1-26 © Michael Pöhn

Angeblich ist „Rusalka“ von Antonín Dvořák ein Märchen. Nun, davon ist in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf aus 2014 nichts zu sehen. Nur, auch wenn man das Stück nicht als Märchen begreift, was ja auch durchaus legitim sein kann, warum müssen dann die Bühnenbilder (Rolf Marianne Glittenberg) mit dem einstöckigen auf die Bühne gewuchteten Abbruchhaus so hässlich und seine Regie mit einigen unsinnigen Mätzchen so poesielos sein?

Einige verdorrte Baumstämme sieht man aber kein Wasser, keinen See, dafür aber weißen Schnee, in dem tote, schwarze Vögel und später riesige Messer herumliegen. Mittig im ersten Stock liegt ein milchiges Fenster, wo schemenhaft die Familie mit dem Wassermann und der Hexe Jezibaba und den drei Nymphen am Tisch Platz genommen haben, gemeinsam trinken und um die an die Menschen verlorene Tochter Rusalka trauern.  Es werden auch einige Absurditäten und Albernheiten gezeigt, etwa wenn anstelle eines Balletts eine Kopulationsszene von einem Tänzerpaar gezeigt wird. Weiters werden die Hexe und der Wassermann dann noch zu Mördern, wenn sie den Küchenjungen umbringen und das Blut des letzteren gemeinsam mit den Nymphen wie Vampire aussaugen.

So findet man die Poesie hauptsächlich im Musikalischen: Mit ganzem Herzen muss der Komponist an seiner Hauptfigur gehangen haben, denn die Melodien, die er ihr in den Mund legt, sind von ergreifender Schönheit. Tiefste und innigste Gefühle hat er in zauberhafte Musik verpackt.

Und diese findet jetzt bei der Wiederaufnahme an der Wiener Staatsoper in Nicole Car bei ihrem Rollendebüt am Haus eine fast immer ideale Umsetzung: Sie singt die unglückliche, naive Wassernixe mit ihrem teils schon recht dramatisch klingenden Sopran mit lyrischer Makellosigkeit herrlich und vermag farbenreich zu berühren. Die ätherisch schöne und berühmte Arie „An den Mond“ gerät zum Ereignis. Kein Geringerer als Piotr Beczala ist für ihren geliebten Prinz aufgeboten, Er singt ihn anrührend mit seinem edlen und geschmeidigen, höhensicheren Tenor. Sehr bühnenpräsent und schlank mit einem ausgesprochen schön klingenden, weichen Bass hört man den Wassermann des jungen Alexander Vinogradov. Monika Bohinec ist eine dämonische, ausdruckstarke Hexe Jezibaba mit schwarzem Federkleid. Füllig, teils zu stimmgewaltig erlebt man Eliska Weissová als rotgekleidete, fremde Fürstin. Auch die kleineren Rollen mit Jusung Gabriel Park (Heger), Isabel Signoret (Küchenjunge) und den drei Elfen (Anna Voshege, Anita Monserrat und Stephanie Maitland) und der Chor der Wiener Staatsoper lassen keine Wünsche offen.

Die Interpretation des Orchesters der Wiener Staatsoper unter dem Hausdebüt des Prager Dirigenten Robert Jindra atmet den Geist des Komponisten mit allen wunderbar aufgefächerten subtilen und verzaubernden Feinheiten und Pastelltönen der Instrumentation, Harmonik und Rhythmik. Wiewohl der tschechische Dirigent Abgründe auslotet und an Dramatik nicht spart, ist er immer sängerfreundlich.

Großer Jubel, vor allem für die Protagonisten der Hauptrollen.

Dr. Helmut Christian Mayer

 

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