Puccinis „Suor Angelica“ aus Florenz auf DVD: Unerbittlicher Verismo

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Schräg und ziemlich hoch aufragend sind die Wände, nur durchbrochen von einigen schmucklosen Öffnungen, Türen und Fenster symbolisierend. Dies alles soll offenbar ein stilisiertes Kloster oder eine Kirche darstellen. Daneben gibt es noch einige hölzerne Gitter zu sehen. Dahinter ist meist ein dunkles Nichts. Vorne steht auf dieser Einheitsbühne ein kleiner Kräutergarten, ein Tisch und ein Stuhl, mehr nicht: Damit wird schon eine recht nüchterne und auch klaustrophobische Atmosphäre bei Giacomo Puccinis Oper Suor Angelicaerzeugt. Es ist eine Produktion, die beim Maggio Musicale Florentino gezeigt, Ende 2019 aufgenommen und jetzt kürzlich als DVD von Dynamic (Nr. 37873) veröffentlicht wurde. Die Ausstattung in traditionellen Kostümen stammt von Denis Krief, der auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnet. Dabei gelingt ihm bei diesem zweiten Teil der Trilogie „Il Trittico“ eine ideenreiche, hochemotionale Personenführung mit vielen eindrucksvollen Details. So streichelt Angelica bei ihrem Schmerzausbruch und späteren körperlichen Zusammenbruch, als sie vom Tod ihres Kindes erfährt, liegend ihren Bauch. Auch der Schluss ist sehr gelungen: Es gibt keine übernatürliche, oft kitschig gezeigte Erscheinung der Jungfrau Maria, sondern Angelicas Sohn erscheint in kurzen Hosen und streckt seiner sterbenden Mutter seine Hand entgegen, die diese jedoch nicht mehr ergreifen kann, weil sie vorher tot umfällt.

Maria José Siri ist eine hochemotionale Angelica, mit rundem, dunkel gefärbtem Sopran aber etwas zu starkem Vibrato beim Forte. Sie weiß hingegen auch mit sehr innigen Piani stark zu berühren. Anna Maria Chiuri in einem schwarzen, eleganten Kostüm ist eine Fürstin (Zia Principessa) zum Fürchten. Sie spielt die Gegenspielerin der Titelheldin unerbittlich hart und singt mit teils gewünschten, schneidenden Ausbrüchen. Die vielen anderen Klosterschwestern, die Oper kommt ja gänzlich ohne männliche Protagonisten aus, singen alle sehr gut. Besonders hervorzuheben sind von diesen insbesondere die Schwester Zelatrice von Anna Malavasi sowie die Äbtissin der Marina Ogii. Valerio Galli  lässt das Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino aufblühen. Er trifft ziemlich genau den Puls und Tonfall von Puccinis subtiler und farbiger Musik. Im gut disponierten Klangkörper erlebt man schattierungs- und stimmungsreiche Detailzeichnungen und aufregende Spannung.

Dr. Helmut Christian Mayer

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