Patrick Hahn, ein Dirigenten-Shootingstar, am Pult der Wiener Symphoniker

Xl_hahn_patrick-1-21-2

Das Werk entstand im Gründungsjahr der Wiener Symphoniker um 1900 und ist mit der Geschichte dieses renommierten Klangkörpers weiters eng verbunden, denn es ist diesem gewidmet und wurde vom Orchester zwei Jahre später im Wiener Musikverein uraufgeführt: Franz Schrekers „Intermezzo“ für Streichinstrumente op. 8, das Patrick Hahn an den Beginn seines feinsinnig durchdachten Programms mit selten gespielten Meisterwerken der Hochromantik und der Moderne stellte. Und mit diesem frühen Stück des Komponisten mit schon neuer aber noch recht zahm-moderner Harmonik sowie überwiegend zarten und feinsinnigen Streicherklängen startete das Konzert. Es gehörte zu der seit Mitte November aufgeführten und schon sehr beliebten Reihe der sogenannten „Wohnzimmer-Konzerte“, die jeden Freitag, so auch diesmal, aus dem leeren Wiener Konzerthaus live gestreamt wurden.

Patrick Hahn wirkte nicht nur dabei, sondern den ganzen Abend bei allen Stücken ungemein souverän, präzise und sehr musikantisch. Der erst 25-jährige Grazer ist ein Shootingstar unter den jüngeren Dirigenten. Ausgebildet in seiner österreichischen Heimatstadt auch als Komponist und Pianist, wird er ab der Saison 2021/22 der jüngste GMD im deutschsprachigen Raum bei den Wuppertaler Bühnen und beim dortigen Sinfonieorchester sein. Er hat trotz seines jungen Alters auch schon renommierte Orchester wie die Münchner und Dresdner Philharmoniker, Orchester des Bayrischen Rundfunks und der Bayrischen Staatsoper, Gürzenich Köln, das auf zeitgenössische Musik spezialisierte klangforum Wien, die Luzerner Sinfonie u.v.m. dirigiert. Und er wurde auch schon wiederholt von den Wiener Symphonikern eingeladen, so auch diesmal, deren Musikern ihm während des gesamten Konzerts bedingungslos, klangvoll und mit überreichen Schattierungen folgten.

Weiter ging es dann im tiefsten Register und zwar mit hochvirtuosen Klängen und höchsten Schwierigkeitsgraden: alles kein Problem für Ivan Kitanović, dem ersten Solokontrabassisten des Orchesters, der den Eröffnungssatz von Giovanni Bottesinis romantischem „Kontrabasskonzert Nr. 2“ in h-Moll bestens intonierte. Er bestach dabei nicht nur mit höchster Technik, sondern ließ auch Töne von größter Wärme und Weichheit hören und in diesem Originalstück, ein Paradestück für jeden Kontrabassisten, sein großes Instrument fast wie ein Violoncello singen.

Nur mit Kontrabässen sonst ganz ohne Streicher aber mit allen Bläsern, teils dreifachbesetzten Piccoloflöten, Harfen und zwei Gitarristen ließ sich dann Bernd Alois Zimmermanns spannende Komposition „Giostra Genovese“ vernehmen. Es ist eine faszinierende Auseinandersetzung mit vorbarocken Tänzen alter verschiedener Meister aus dem Blickwinkel des 20. Jahrhunderts. Hier wurden vom Orchester und dem Dirigenten die immer wieder stilfremden, „verfälschenden“ Elemente und die ironischen und sarkastischen Zwischentöne ideal und subtil herausgearbeitet.

Moderiert wurde der Abend von Axel Brüggemann, der dem Dirigenten und dem Solisten hochinteressante Informationen über sich und zu den einzelnen Werken entlockte.

Dr. Helmut Christian Mayer

| Drucken

Mehr

Kommentare

Loading