Packendes Revolutinsdrama am Teatro Verdi in Triest mit Giordanos "Andrea Chénier"

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Unter den vielfältigen Werken des italienischen Verismo gilt „Andrea Chénier“ von Umberto Giordano als eines der wirkungsvollsten. Diese Oper über die französische Revolution ist eine glückliche Mischung aus strömender Melodie und effektvollen dramatischen Aufbau.

Saftige Dramatik vernimmt man auch aus dem Orchestergraben. Der Routinier Fabrizio Maria Carminati und das Orchester des Teatro Verdi Triest sind bei den aggressiven Revolutionsklängen durchaus zu Hause, wobei bei den packenden Effekten aber noch Luft nach oben wäre.  Aber auch feine, lyrische Farbmischungen sind zu vernehmen, wobei die klein besetzten Streicher aus diesen Gründen manchmal recht dünn klingen.

Gehobenes Mittelmaß erlebt man bei den Sängern: Allen voran ist Devid Cecconi mit seinem warmen, kräftigen Bariton zu nennen, der auch mitreißend die innere Zerrissenheit des Gérard darstellen kann. Seine berühmte Arie „Nemico della patria“ gelingt ihm ganz vortrefflich. Svetla Vassileva punktet als Maddalena vor allem bei den lyrischen Pianostellen mit großer Innigkeit. Sie vermittelt Gefühl und Dramatik, ihr Sopran wird jedoch im Forte recht vibratoreich.Samuele Simoncini ist ein kleinstimmiger Titelheld, der recht angestrengt wirkt, sich aber im Laufe des Abends steigern kann. Aus den vielen Nebenrollen ragen Isabel de Paoli als wunderbare Magelone, Albane Carrére als sehr feinstimmige Bersi und Saverio Puglie sein der Doppelrolle als zuerst scheinheiliger Abbé und dann als zynischer Incroyable heraus. Untadelig singt auch der Chor des Teatro Verdi Trieste, den Francesca Tosi gekonnt einstudiert hat.

Zwei rotierende, historisierte Kulissenelemente sorgen für die zu schaffende Räume, das Bühnenbild stammt von William Orlandi, die fallweise mit stimmigen Projektionen überzogen werden. Darin wird in Kostümen der damaligen Zeit, die Jesus Ruiz erdacht hat, immer mit Wort und Musik in Einklang ganz traditionell und klar sowie ohne Neudeutung das Revolutionsdrama von Sarah Schinasi teils allerdings recht statisch erzählt. Dabei gelingt es der Regisseurin die hohle Welt des Adels mit der Armut des Pöbels gekonnt zu kontrastieren. Einiges wird auch sehr berührend gestaltet, wie etwa das Abschiednehmen der Madelone von ihrem Kind oder jenes zwischen den Liebenden zum Finale.

Viel Beifall!

Dr. Helmut Christian Mayer

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