Oper Ljubljana: Akustisch eingeschränkte Opernzwillinge "Cavalleria" und "Bajazzo"

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Leer ist der Orchestergraben und dient nur für gelegentliche Auftritte der Protagonisten. Leergeräumt ist auch die gesamte Vorderbühne. Erst weit hinten, auf der Hinterbühne ist offenbar wegen der Pandemie das Orchester des Hauses platziert. Und so hört man - noch stärker als in Klagenfurt, bei der derzeit laufenden „Elektra“ von Strauss am Stadttheater – auch die Eröffnungsproduktion am Ljubljana/Laibacher Opernhaus mit immensen akustischen Einschränkungen. Eigentlich klingt die Musik der beiden Opernzwillinge „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni und „I Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo deshalb recht gedämpft, wie von einem „Bühnenorchester“ gespielt, das ja bei gewissen Szenen in diversen Opern zusätzlich vorgesehen ist. Es fehlt immer wieder an hörbaren Finessen und besonders an Volumen, vor allem, wenn der gut singende, teil tänzerisch eingesetzte Chor aus voller Kehle singt, ist es kaum mehr hörbar. Und es kommt immer wieder Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Sängern und dem Orchester. Dabei sind in diesem, von Marc Tardue geleitet, nicht nur in den schillernden Intermezzi, deren erstes von Lukas Zuschlag mit einer Balletteinlage choreographiert wurde, berührende aber auch packende Emotionen erkennbar.

Unterschiedlich ist das sängerische Niveau: Branko Robinšak singt sowohl den Turiddu wie auch den Canio immer noch mit kraftvollem Tenor aber angestrengten, engen Höhen. Jože Vidic ist ein präsenter Darsteller des Alfio und Tonio, dessen kerniger Bariton in der Höhe unschön klingt. Ana Dežman kann als Santuzza mit kraftvollem Material punkten, das sie jedoch eindimensional laut einsetzt. Martina Zadro verfügt als Nedda über einen schönen, flexiblen Sopran. Nuška Drašček Rojkoist eine kokette und schönstimmige Lola. Solide klingen Slavko Savinšek (Silvio) und Matej Vouk (Peppe). Inferior, mit weitausschwingendem Vibrato ohne Fokus singt Mirjam Kalin die Mutter Lucia singt.

Auf heruntergelassenen Zwischenvorhängen werden immer wieder Projektionen von naiven Szenen mit nackten Frauen, die von Monstern bedroht werden, gezeigt. Diese sollen offensichtlich das fehlende Bühnenbild ersetzen. In der Inszenierung von Manfred Schweigkofler, der auch für die Szenerie verantwortlich zeichnet, wird bei „Cavalleria“ wenig agiert, beim „Bajazzo“ mit einem kleinen Theaterwagen ist hingegen viel Vitalität, mit teils packenden Aktionen zu erleben.

Dr. Helmut Christian Mayer

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