Mussorgskis "Boris Godunow" in Triest: Traditionelles Volksdrama

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Wer traditionelle Opernaufführungen liebt, der sollte jetzt nach Triest fahren. Denn am Teatro Verdi zeigt man derzeit das Volksdrama "Boris Godunow" von Modest Mussorgski nach Alexander Puschkin, sehr konservativ in einer historischen Inszenierung vom mittlerweile verstorbenen Regisseur Yurii Victorovych Chaika, die von Victoria Chernova im Rahmen einer Koproduktion mit dem Opernhaus Dnipro (der mit einer Million Einwohner viertgrößten Stadt der Ukraine) jetzt aufgefrischt wurde: In einer doch recht museal wirkenden, aber ungemein ästhetischen Ausstattung mit Prospekten und wenigen Versatzstücken, mit teils stilisierten Heiligenbildern und mit antiquiert wirkenden aber prächtigen Kostümen sieht man hauptsächlich schön arrangierte Tableaus und viele statische Bilder. Eine Interaktion zwischen den Personen findet kaum statt und hängt von den jeweiligen Protagonisten ab.

Was bei dieser Produktion aber in erster Linie fesselt, ist das erstaunliche hohe Niveau der Sänger, fast ohne Schwachstellen, die alle von Opernhaus Dnipro, wo die Produktion schon gezeigt wurde, stammen: Taras Shtonda ist ein ausdrucksstarker Titelheld, sehr intensiv und bühnenpräsent, der vor allem in seiner Todesszene ungemein berührt.  Oleksii Strizhak als Pimen verfügt über einen ausgesprochen schönen und edlen Bass. Eduard Srebnytskyi ist ein sehr intrigierender Schuiski mit einem feinen Charaktertenor. Der leicht vibrierende Sopran der Katerina Tsimbaliuk als Marina beeindruckt mit Kraft und Höhe. Vladislav Goray als falscher Dimitri singt mit hellem Tenor. Ihr Liebesduett gelingt den beiden mit schönsten Tönen hinreißend. Auch die vielen, kleineren Rollen gefallen.

Stimmgewaltig, sehr eindrucksvoll und homogen singt der zusammengespannte riesige Chor des Teatro Verdi Trieste, verstärkt vom Chor der Oper Dnipro.

Am Pult des ausgezeichnet aufspielenden Orchesters des Teatro Verdi Trieste steht der weltweit dirigierende Alexander Anissimov, ein ausgesprochener Spezialist für das russische Fach: Sängerfreundlich, nie zu laut, spannend und eindrucksvoll führt er souverän durch das Werk.

Das Publikum reagierte mit starkem Applaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

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