Mit Witz und Schwung: Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ an der Wiener Volksoper

Xl_lustige_weiber_von_windsor-barbara_palffy-wien-6-23-1 © Barbara Palffy

Wir schreiben das Jahr 1918. Es gibt keine Monarchie mehr. Die Frauenrechtsbewegung nimmt ihren Anfang. Es wird um das Wahlrecht für Frauen gekämpft. Der Titelheld hat all seine Titel und sein Vermögen, sofern er je eins hatte, verloren: In dieser Zeit und unter diesen Umständen lässt Nina Spijkers bei ihrer ersten Opernregie überhaupt „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai (Uraufführung 1849) an der Wiener Volksoper spielen. Und zusätzlich zeigt die niederländische Regisseurin die komisch-fantastische Oper als Theater im Theater. Dies wird auf einer Drehbühne mit einem großen, sehr dominanten goldenen Bilderrahmen und vielen Tableaus sowie einem Mond zum Finale zum „Sommernachtstraum“ (Bühne: Rae Smith) in passenden Kostümen von Jorine van Beek dargestellt.  Die alles andere als einfach zu inszenierende Geschichte rund um den trunksüchtigen Ritter Sir John Falstaff, der auch aus monetären Gründen Liebesbriefe an zwei verheiratete Frauen schreibt, wird mit Gesellschaftskritik, vielen Ideen aber auch derben Gags und temporeichen Possen voller Spielfreude vorgeführt. Spijkers deutet die Musiktheaterversion des gleichnamigen Shakespeare-Werkes als zutiefst feministisches Stück mit einer zentralen Botschaft: Lasst Frauen die Wahl. Im Auftaktduett blicken Frau Fluth und Frau Reich, die beiden vom feisten Ritter Falstaff trotz ihrer aufrechten Ehen umworbenen Damen, aus der Ölbildvorlage eines natürlich nur von Männern besetzten Akt-Malkurses heraus. Oder im Gasthaus "Zum Hosenbande": Da steht Sir John mit Ausnahme des Wirtes ausschließlich Frauen gegenüber, die allerdings als Männer mit angeklebten Bärten bei Falstaffs Trinkspielen mitmachen.

Es liegt auch an den Interpreten, das all dies zündet: So ist Anett Fritsch eine phänomenale, textverständliche Frau Fluth mit hellem, klarem Sopran. Stephanie Maitland als Frau Reich ist ebenso sehr bühnenpräsent und singt klangschön. Lauren Urquhart als Anna komplettiert dieses Frauentrio vokal leichtfüßig. Und der Titelheld? Nach einer überstandenen Stimmbandentzündung fasziniert der ungemein komödiantisch spielende Martin Winkler als lächerlicher, teils sogar ekliger Falstaff mit schlankem, souveränem Bass. Auch Daniel Schmutzhard gefällt sowohl darstellerisch als auch gesanglich als eifersüchtiger Herr Fluth. Aaron Pendleton gibt einen idealen Herrn Reich. Als Fenton lässt der Tenor JunHoYou mit enormer Stimmkraft aufhorchen. Auch die kleineren Rollen sind mit Alexander Fritze (Dr. Cajus) und Carsten Süss (Junker Spärlich) gut besetzt. Seht homogen singt der Chor der Wiener Volksoper in der Einstudierung von Roger Díaz-Cajamarca.

Am Pult des sehr gut disponierten Orchesters der Wiener Volksoper sorgt der erst 29-jährige Brite Ben Glassberg bereits von Beginn an für Schwung, vielen Akzenten und enormen Verve.

Jubel für alle Beteiligten.

Dr. Helmut Christian Mayer

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