"Lucrezia Borgia von Donizetti am Teatro Verdi Triest: Ein Stimmenfest des Belcanto

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Es ist schon eine ziemlich wirre Geschichte, die die Stationen der Renaissancefürstin „Lucrezia Borgia“ beschreibt, einer düsteren Persönlichkeit, der man vom Giftmord über Inzest bis Verrat und Intrigen alles nachsagt und dessen Libretto auf Victor Hugo zurückgeht. Deshalb wird die 1833 in Mailand uraufgeführte, seinerzeit sehr beliebte Belcanto-Oper heute nur mehr selten und wenn, meist nur konzertant aufgeführt.

Und dass, obwohl sie Gaetano Donizetti in hinreißende Musik verpackt hat, wobei große Ensembleszenen besonders hervorragen aber auch prachtvolle Arien für echte Belcanto-Sänger. Und diese sind am Teatro Verdi in Triest in reichem Maße vorhanden: Allen voran sei Carmela Remigio genannt, die die Titelheldin mit perlenden Koloraturen, hoher Flexibilität, ungetrübter Höhe und exemplarischer Artikulation verkörpert. Nie bleibt es bei ihr bloßer artistischer Kunstgesang, sie lebt die Partie durch fühlbaren Ausdruck. Ihr zur Seite erlebt man als Gennaro, ihrem verlorenen Sohn, mit Stefan Pop einen strahlenden, fein lyrischen Tenor mit wunderbarer Phrasierung der nicht nur von der Statur, sondern auch von der Stimmfärbung an den jungen Pavarotti erinnert. Dongho Kim ist ihr eifersüchtiger Gemahl, ein präsenter, kerniger Herzog Don Alfonso mit nicht allzu großer Stimme. Cecilia Molinari ist ein herrlich dunkel gefärbter, auch viel vielbejubelter Maffio Orsini. Tadellos sind auch die vielen, kleineren Rollen besetzt, homogen singt der Männerchor des Teatro Verdi Triest.

Leider nur kapellmeisterlich begleitet werden sie von Roberto Gianola, der das Orchester des Teatro Verdi zwar mit exakter Zeichengebung ungemein sicher aber mit zu wenig Biss und zu „brav“ musizieren lässt.

Intelligent, symbol- und ideenreich ist die vitale Inszenierung von Andrea Bernard. Er lässt den krausen Plot in einem Einheitsbild, unter einer kleinen, schrägen, goldenen Decke eines alten und offenen Zimmers, die sich auch senken kann, und auf deren Rückseite der Name „Borgia“ zu lesen ist, auf der ansonsten fast leergeräumten, offenen Bühne (Bühnenbild: Alberto Betrame) spielen. Beim orchestralen Vorspiel zeigt er die Vorgeschichte, in welcher der Fürstin ihr Sohn aus der Wiege von einem kirchlichen Würdenträger geraubt wird. Glaubhaft erlebt man die Ausgelassenheit der jungen Adeligen, aber auch die brutale Drastik, wenn etwa der Herzog seinen Diener aber auch seine Frau körperlich erniedrigt und quält.

Nach  anfänglicher Zurückhaltung hielt das Publikum bald mit seiner Begeisterung nicht mehr hintern Berg, steigerte den Applaus kontinuierlich und jubelte schließlich zum Schluss lautstark!

Dr. Helmut Christian Mayer

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