Ljubljana/Laibach: Verdis „La traviata“ szenisch fast asketisch aber emotionsreich

Xl_traviata-_c_darja_stravs_tisu-laibach-3-26-4_ © Darja Stravs Tisu

Ein schwarzes Sofa steht als zentrales Element im Raum. Hier wird nicht nur gesessen und gelegen, sondern auch geliebt, gelitten und gestorben. Bis auf zwei, drei Hocker ist die teils dunkle Bühne ansonsten leergeräumt, im Hintergrund von einem halbrunden durchscheinbaren Vorhang begrenzt. Durch diesen kann man den in den Bewegungen fallweise erstarrten Chor sehen. Dieses Ambiente von Giuseppe Verdis beliebter Oper „La traviata“ am Opernhaus von Ljubljana/Laibach strahlt eine kühle, fast asketische Ästhetik aus (Bühne: Philippe Miesch), die durch die sehr eleganten Roben und Smokings (Kostüme: Marnik Baert) und von einigen Ballettszenen noch verstärkt wird. Eine symbolhafte Bedeutung spielt auch die Kamelienblume von Anfang an. Sie wird von Violetta getragen, steht später in einer großen Vase im Raum, rieselt als Blütenregen zum Finale herunter. Regisseur Frank Van Laecke, der hier in der slowenischen Hauptstadt schon öfters inszeniert hat, zeigt ohne Klischees sehr geschmackvoll die Geschichte der „Kameliendame“, die ja bekanntlich auf dem gleichnamigen Roman von Alexandre Dumas beruht, und konzentriert sich dabei auf die inneren Vorgänge der Protagonisten, die er nach außen zu kehren vermag.

Am Berührendsten gelingt dies bei Nina Dominko in der Titelrolle, die sie sehr glaubhaft spielt. Ihre Spitzentöne und Koloraturen sitzen, sie singt mit feinen Piani und reichen Schattierungen und vermag auch viel Innigkeit zu verströmen. Besonders einfühlsam ist auch die Schlussszene, wenn sich die Bühne nach hinten öffnet und Violetta im weißen Kleid langsam dem weißen Licht entgegen schreitet.Aljaž Farasin zeigt einen sehr leidenden Alfredo. Er trifft jeden hohen Ton, sein Tenor wirkt jedoch etwas flach und verfügt über teils zu wenig Schmelz. Mit Präsenz, mit einem eigenwilligen Timbre in der Tiefe aber mit kraftvollem, nuanciertem Bariton ist Ivan Andres Arnšek als sein Vater Giorgio Germont zu erleben. Hohes Niveau auch bei die vielen kleineren Rollen und dem Chor der Laibacher Oper.

Wiewohl einige Sequenzen mehr Kontraste vertragen hätten und manches recht dünn klingt, weiß das Orchester der Laibacher Oper unter ihrem Chefdirigenten Ayrton Desimpelaere trotzdem mit emotionalen Schattierungen zu punkten und kann teils auch mitreißen.

Reicher Schlussapplaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

 

| Drucken

Mehr

Kommentare

Loading