Ljubljana: Puccinis „La Bohème“ hinterließ trotz nüchterner Szene ergreifende Gefühlswelten

Xl_boheme-c_darjastravstisu-laibach-4-24-6 © Darja Stravs Tisu

Es ist wohl eine der ergreifendsten Sterbeszene in der Opernliteratur überhaupt, wenn Rodolfo begreifen muss, dass seine geliebte Mimi bereits verstorben ist, er sie nochmals mit leidenschaftlichem Schmerz am Bett umarmt und dabei sein berühmtes „Mimi, Mimi“ im vollen Fortissimo hinausschluchzt. Auch hier am Opernhaus in Ljubljana/Laibach berührt diese Schlussszene aus Giacomo Puccinis „La Bohème“, die zu den populärsten und häufigst aufgeführten Opern überhaupt zählt, sehr, obwohl sie in einem recht nüchternen, kargen Bühnenbild stattfindet. Denn in dieser Koproduktion mit der Grand Opera Avignon trägt das Einheitsbühnenbild mit einem Holzboden in verschiedenen Ebenen und angedeuteten Fenstern im Hintergrund und kaum Versatzstücken wenig zu einer verstärkenden, emotionalen Stimmung bei. Die Protagonisten agieren in stilisierten, historischen Kostümen (Ausstattung: Lionel Lesire) in der Inszenierung von Frédéric Roels immer hautnah am Text und der Musik des Seelendramas ohne Firlefanz recht konventionell und durchaus spielfreudig.

Und dem Ensemble gelingt es auch, große Gefühle aufkommen zu lassen:  Allen voran ist Martina Zadro ist eine sehr berührende Mimi mit schöner Phrasierung und allen Spitzentönen. Aljaž Farasin verfügt als Rodolfo über einen leichten Tenor mit einem etwas eigenen Timbre in der Tiefe aber strahlender und sicherer Höhe. Nika Gorič ist eine quirlige, flexible Musetta mit teils etwas scharfen Spitzentönen. Peter Martinčič singt den Colline stimmgewaltig und sehr kultiviert besonders in der „Mantelarie“, Neven Crnić ist ein kraftvoller Schaunard. Jože Vidic ist mit seinem kernigen, präsenten Bariton eine Idealbesetzung für den Marcello. Gut sind auch die vielen kleineren Rollen besetzt. Homogen hört man den Chor des Laibacher Opernhauses, der teils etwas statisch agiert.

Kevin Rhodes am Pult des Orchesters der Laibacher Oper lässt Puccinis eingängige, herrliche Melodien besonders anfänglich aber auch zwischendurch recht straff, schnell und manchmal sogar hektisch erklingen. An den Schlüsselstellen, den wunderbaren Arien und Ensembles weiß er jedoch, aufregende Gefühle mit vielen Abstufungen zu vermitteln.

Viel Applaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

 

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