Liszt Festival Raiding: Der Vergessenheit entrissene Raritäten

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Es war im Jahre 1886, das schrieb Franz Liszt seine letzten Noten nieder, denn vier Monate später war er tot. Deshalb ist sein allerletztes Orchesterlied „Vätergruft“ auch so dunkel instrumentiert und von morbider aber geheimnisvoller und berührender Stimmung. Es ist der Entdeckungsfreude von Martin Haselböck zu verdanken, dass er dieses wie zwei weitere Orchesterlieder von Liszt, absolute Raritäten, die dieser selbst nie gehört hat, ausgraben und jetzt im Rahmen eines Konzertes beim Lisztfestival in Raiding, dem Geburtsort des Komponisten, zur Erstaufführung bringen konnte. Denn wegen der Unübersichtlichkeit von dessen Gesamtwerk ist es für die Nachwelt immer wieder schwer, dem umfänglichen Schaffen des Komponisten nachzuspüren.

Und so erklangen auch noch „Le juif errant“, über den ewig herumirrenden Juden, ein hochdramatisches, opernhaftes, packendes Lied wie auch „Weimars Toten“, das entgegen dem Titel recht kurios, ja fast lustig klingt. Für die Gesangsparts wurde kein Geringerer als Thomas Hampson aufgeboten: Mit exemplarischer Wortverständlichkeit und großer Gestaltungskraft, balsamisch weich, fein kultiviert und reich an Schattierungen führte er seinen noblen Bariton. Dazu intonierte der Starsänger auch zwei Lieder von Franz Schubert, die Liszt orchestriert hatte: „Der Doppelgänger“ aus dem Liedzyklus „Schwanengesang“ wie auch „Drei Zigeuner“, bei letzterem glänzte der Konzertmeister Ilia Korol mit höchst virtuosen Geigensoli.

Gekonnt begleitet wurde er dabei von der Wiener Akademie unter Martin Haselböck. Die Musiker konnten auch mit den Orchesterstücken, dem zündend musizierten „Reitermarsch“ wie auch dem mitreißenden „Ungarischen Marsch“, beides von Schubert und von Liszt orchestriert, sowie der symphonischen Dichtung „Prometeus“ mit Spielfreude und Nuancenreichtum punkten.

Ein starkes Finale des diesjährigen Liszt-Festivals, das mit heftigem Applaus seitens des Publikums belohnt wurde!

Dr. Helmut Christian Mayer

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