Linz: Wiederbelebung zweier Raritäten von Strauss und Ullmann

Xl_esels_schatten-zerbrochener_krug-c_herwig_prammer-linz-3-26-2 © Herwig Prammer

Sie könnten nicht absurder sein, die beiden Gerichtsprozesse, die diese beiden komischen Opern thematisch verbinden: In „Des Esels Schatten“ von Richard Strauss, seiner letzten Oper (1947/49 Text von Hans Adler, nach dem Roman von Christoph Martin Wieland) geht es um die Bewohner der thrakischen Stadt Abdera, die berühmt für ihre Dummheit sein sollen. Ein Zahnarzt mietet einen Esel für einen Transport, doch stellt er sich angesichts der Hitze des Tages in den Schatten des Tieres. Der Eselstreiber erklärt, dass dieser nur den Esel aber nicht den Schatten gemietet hat. Die Lage eskaliert. Es bilden sich bei den Bewohnern eine Esels- und eine Schattenpartei. Der langwierige Prozess findet erst ein Ende, als der arme vergessene Esel verhungert ist. Der von Strauss unvollendete Klavierauszug wurde von Karl Haussner instrumentiert und ergänzt sowie von Andreas Bäuml (2025) eine Fassung für Kammerorchester erstellt.

Bei „Der Zerbrochene Krug“ von Viktor Ullmann nach dem Lustspiel von Heinrich von Kleist, (Fassung für reduziertes Orchester von Richard Whilds 2017) muss Dorfrichter Adam über eine Tat zu Gericht sitzen, die er selbst begangen hat. Er hat nämlich beim Verlassen der Kammer von Eve, der er schon längere Zeit vergeblich nachstellt, einen wertvollen Krug zerstört. Die Uraufführungen beider Opern erfolgten erst posthum.

Für seine Inszenierung am Linzer Landestheater ließ sich Gregor Horres, der Leiter des oberösterreichischen Opernstudios, in der sogenannten Black Box, der kleineren Bühne im Musiktheater am Volksgarten, eine Arena bauen, die auf drei Seiten vom Publikum und auf einer vom Orchester umrandet wird (Bühne: Ulrich Leitner). Mittig befindet sich eine Sandkiste mit herabfahrbaren Neonröhren, in der wie auf einem Kampfplatz in beiden Fällen heftig gestritten wird. Während er beim ersten Einakter mit teils sehr langen, nur bedingt lustigen Sprechdialogen jedoch zu sehr in die Klamauk Kiste greift, wird bei der Ullmann Oper die eigentliche Personenführung vielschichtiger und gelungener gestaltet.

Spielfreudig erweist sich das Ensemble, allen voran mit dem souveränen, kraftvollen aber auch nuanciert singenden Martin Achrainer als Stadtrichter Philippides wie auch als Dorfrichter Adam. Hun Jeon weiß leider bei den Dialogen schwer verständlicher als Zahnarzt Struthion und als Gerichtrat Walter mit schöner Stimme zu gefallen. Alexandre Bianque singt mit hellstimmigem Tenor (Eseltreiber Anthrax und Gerichtsschreiber). In mehreren Rollen gefallen auch Dora Blaniczki, Antonia Peteak als kesse, glockenreine Gorgo, beeindruckend auch Jonathan Hartzendorf und Martin Schön sowie Xinghan Zhou. Als „Krug geschädigte“ Marte Rull faszinierte Génesis Beatriz Lopéz Da Silva.

Unter der souveränen Leitung von Jinie Ka wusste das klein besetzte Bruckner Orchester Linz in beiden Fällen stilistisch und facettenreich zu glänzen.

Viel Applaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

 

| Drucken

Mehr

Kommentare

Loading