„L’elisir d’amore“ in Klagenfurt: Liebe und Zaubertrank im mondänen Hotel

Xl_liebestrank_rossi_lebedyev_gould_tkach_r_helge_bauer-klagenfurt-3-26-1 © Helge Bauer

Sehr mondän und schick wirkt das Hotel mit seinem Kristallluster, seinem großzügigen Treppenaufgang und der Rezeption im Hintergrund. Es nennt sich „Il Villagio“, also Dorf, wo die Oper eigentlich im Original verortet ist. Nilufar K. Münzig hat aber dem „Liebestrank(„L’elisir d’amore“) am Stadttheater Klagenfurt einen ziemlichen Modernisierungsschub verpasst. Sie lässt eine der erfolgreichsten Opern aus Gaetano Donizettis Feder statt in einem idyllischen Dorf Anfang des 19. Jahrhunderts, in den 50 bis 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts in diesem Hotel (Bühne: Britta Lammers) spielen.

Ein buntes Völkchen anfänglich mit Badetüchern um Kopf und Körper, wie aus einer Sauna oder aus dem Wellnessbereich kommend, oder mit Tennisschlägern nach dem letzten Match, später dann in eleganteren Kostümen überwiegend in Rottönen aus dieser Zeit (Kostüme: Dietlind Konold) agiert stets spiel- und bewegungsfreudig auf der Bühne.Denn die deutsche Regisseurin sprüht nur so vor Ideen. Verspielt, detailreich, klar sowie verständlich und stets mit ausgefeilter Personenführung auch auf den vielen Nebenschauplätzen lässt sie die Liebesgeschichte ablaufen.

Überwiegend von hochstehender Qualität ist das Gesangsensemble zu vernehmen: Allen voran singt Alice Rossi die Adina ausdrucksstark, perlend und flexibel mit allen sicheren Spitzentönen und präzisen Koloraturen. Sie ist hier diesmal die kapriziöse und penible Chefin des Hotels. Auf sie hat der Aufreißer Sergeant Belcore ein Auge geworfen. Dieser wird von Oleh Lebedyev mit schönem, kernigem Bariton gesungen. Er tritt stets großspurig in einer an die heutigen Carabinieri erinnernde Phantasieuniform auf und hat ständig drei Soldaten im Schlepptau. Aber zuletzt gewinnt Adinas Gunst doch der Kellner und Hausbursche des Hotels, der etwas einfältige Nemorino. Der junge Aaron-Casey Gould punktet mit höhensicherem und schönem Tenor. Er neigt allerdings sowohl szenisch als auch stimmlich zum Outrieren, so auch beim unverwüstlichen Romanzen-Hit „Una furtiva lagrima“. Dulcamara erscheint aus dem Publikum: Markus Marquardt ist der bedingt buffoneske Doktor. Allerdings kann er an seine prächtigen Leistungen als Wotan im „Ring“ der vergangenen Jahre hier nicht anschließen, denn speziell bei seiner Auftrittsarie gerät er außer Takt und einmal sogar beim Text ordentlich ins Stolpern.Der Quacksalber ist wie ein Orientale mit Turban und Rauschebart kostümiert. Gianetta wird von Maria Tkach glockenrein gesungen. Sie ist natürlich auch kein Bauernmädchen, sondern eine Angestellte im Hotel. Sehr spielfreudig agiert und fast immer eines Sinnes mit dem Graben singt der Chor des Stadttheaters Klagenfurt (Einstudierung: Günter Wallner). 

Dort lässt Chin Chao Lin im Kärntner Sinfonieorchester die eingängigen Melodien nicht nur lebhaft funkeln, sondern fallweise auch ordentlich kichern. Es fehlt auch nicht an duftiger Leichtigkeit und idealer Balance mit der Bühne!

Das Premierenpublikum im vollen Haus ist restlos begeistert und spendet stehende Ovationen!

Dr. Helmut Christian Mayer

 

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