© Barbara Palffy
Sie lächeln, freuen sich, zeigen aber auch ihren Schmerz. Und das auf Unmengen von selbst kreierten Zeichnungen. Diese sind skizzenhaft aber von eigenem Geschmack und können mit Schiebe- und Klappmechanismen teils Augen, Arme und Beine bewegen: Bei der Neuproduktion von Franz Lehárs Spätwerk „Der Zarewitsch“ (Uraufführung 1927 in Berlin) an der Wiener Volksoper spielt sich die Geschichte von Aljoscha und Sonja über die nicht standesgemäß verbotene, unglückliche Liebe viel zu wenig berührend wie ein Comic auf einer Videowand, die dreiviertel der Bühne einnimmt, ab. Hierher werden die Zeichnungen von einem seitlich situierten Arbeitstisch projiziert. Dort agiert stets sichtbar deren Schöpfer Steef de Jong, der teils mithilfe der Protagonisten die Zeichnungen auflegt und bewegt, was bald ziemlich ermüdend und ablenkend wirkt. Das eigentliche Bühnenambiente ist völlig nüchtern mit einem Requisitenlager zum schnellen Umkleiden der Protagonisten. Diese agieren jedoch meist ebenso wie der gut singende Chor der Wiener Volksoper, der überwiegend in den Logen sitzt, in Straßenkleidung und braunen Arbeitsmänteln. Der niederländische Regisseur (auch für Kostüme und Bühne verantwortlich) wollte die ursprünglich in Russland spielende Geschichte in eine universelle, zeitlose „Märchenwelt“ ins Kussland verlegen und sich ganz auf die langsam erblühende Liebesgeschichte konzentrieren. Nur davon wenig zu erspüren, denn die vier Protagonisten, die auch alle anderen Rollen spielen müssen, agieren selbst wenig. Sie schlüpfen aus ihren Rollen und wirken auch als schauspielende Erzähler mit Zetteln ausgestattet, mit recht langatmigen, neu bearbeiteten Dialogen, wofür Jürgen Bauer in seiner neuen, auf eindreiviertel Stunden eingedampften Spielfassung gesorgt hat.
Aber sie sind bei den unzähligen Ohrwürmer alle gut bei Stimme: David Kerber ist der unglückliche Aljoscha, er spielt und singt ihn mit schönem, höhensicherem Tenor, besonders sein Wolgalied erntet viel Beifall. Hedwig Ritter als seine angebetete Sonja glänzt mit fülligem, weichem Sopran. Sie ist hier umgekehrt zum Inhalt ein Mann namens Katuschukuff und nur als Frau verkleidet. Das ebenfalls gut singende Buffopaar mit Martin Enenkel als Iwan sowie Juliette Khalil als quirlige Mascha wird mit viel zu wenig Witz dafür aber mit flotten Tänzchen gezeigt.
Als weiteres musikalisches Plus wird die Meisteroperette mit den eingängigen und bekannten Melodien vom Orchester der Wiener Volksoper unter dem Genre-erfahrenden Altmeister Alfred Eschwé sehr gekonnt mit viel Schwung und detaillierter, schillernder Feinzeichnung realisiert.
Das Publikum, darunter viele hauseigene Besucher, reagierte schon während der Aufführung immer wieder mit überzogenem, kreischendem Jubel und letztlich mit stehenden Ovationen!
Dr. Helmut Christian Mayer
17. April 2026 | Drucken

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