Konzert unter Lorenzo Viotti an der Mailänder Scala: Klangpracht pur

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Von der Bühnenperspektive aus konnte man den gesamten, wunderbar glanzvollen Zuschauerraum des Teatro alla Scala di Milano, dem traditionsreichen Opernhaus Italiens, ausgiebig bewundern. Denn in diese Blickrichtung und direkt im Zuschauerraum mit weiten Abständen saß das Orchestra del Teatro alla Scala. Bis auf die Bläser, trugen alle Musiker, auch der Dirigent, einen Mund-Nasen-Schutz. Zwischen den Bläsern waren zudem Plexiglaswände aufgebaut. Da auch in Italien wegen der Covid 19 - Pandemie alle Opern- und Konzertaufführungen vor Publikum verboten sind, werden jetzt auch hier in Mailand Konzerte für das Publikum zu Hause vor den Monitoren live gestreamt.

Denn Anfang machte ein Konzert mit dem aufstrebenden dirigentischen Schweizer Shootingstar Lorenzo Viotti. Gespielt wurde die 3. Symphonie von Johannes Brahms, die im Unterschied zu seinen anderen Symphonien schwerer zu fassen ist. Sie ist seine kürzeste Symphonie und stellt seinen Übergang zu seinem Spätstil dar. Denn von nun an widmete sich Brahms der artifiziellen Durchkonstruktion und kammermusikalischen Detailarbeit noch stärker als in den vorangegangenen Werken. Sie wurde mit geradezu klassisch anmutender Geschlossenheit, immer mit einem Tupfen Italianitá, mit subtiler kammermusikalischer Detailarbeit, reichen dynamischen Abstufungen und nie erlahmender Spannung gespielt. Das  Hauptthema des ersten Satzes, das die gesamte Symphonie durchdringt, wurde ideal herausgearbeitet. Ungemein warm und farbig erlebte man dabei die Streicher, präzise die Bläser, die so alle zu einer wunderbaren Klangpracht beitrugen.

Austariert und mit fabelhaften Solisten in allen Instrumentengruppen, mit großer Perfektion, reich an Valeurs und mit rundem Klang überzeugten anschließend die spielfreudigen Musiker bei Antonín Dvoráks 7. Symphonie in ihrer tragischen Grundstimmung. Extrem dicht und fein gewoben sowie emotional hoch aufgeladen erklang das Adagio.

Außer Programm konnte man dann noch als kleine Überraschung den Ungarischen Tanz Nr. 5 wieder von Johannes Brahms sehr zündend und mitreißend genießen.

In der Pause zwischen den großen Symphonien wusste Maestro Viotti wie auch Musiker wie der Konzertmeister des Orchesters Francesco De Angelis viel Wissenswertes über die gespielten Werke sowie wegen der völlig anderen Aufstellung des Orchesters über die damit verbundene neue Akustiksituation zu erzählen.

Und wieder konnten nur die Musiker dem Dirigenten und sich selbst applaudieren.

Dr. Helmut Christian Mayer

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