Klagenfurt: Helle Klassik und düstere, packende Mystik mit einer Uraufführung

Xl_d_nser-hoetzl-petrachuk-kl-11-21 © Helmut Christian Mayer

„Agamemnon! Wo bist du, Vater?“: Es ist wohl eine ergreifendsten Schlüsselstellen der Oper, wenn die von Rachegedanken besessene Elektra ihren ermordeten Vater anruft und das tiefe Blech dazu einen monumentalen Klangboden bildet. Besonders eindrucksvoll und expressiv mit etwas viel Tremolo und nicht immer ganz textverständlich wurde sie von der russischen Sopranistin Yulia Petrachuck passend mit einem wallenden, roten Umhang gesungen und zum Finale andeutungsweise getanzt.

Der aus Bregenz stammende und in Graz als Professor tätige Richard Dünser hat Richard Strauss Oper Elektra bearbeitet und daraus ein vierzigminütiges „Symphonisches Monodram“ kreiert, wo viele andere Highlights, wie die Alpträume der Klytämnestra oder die Erkennungsszene mit Orest aber auch der Schluss teils mit Gesang, teils nur instrumental zu finden waren. Jetzt wurde diese sehr gelungene Opernsuite mit raffinierten Übergängen im Konzerthaus Klagenfurt beim Musikverein uraufgeführt. Der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach unter dem Musikvereinschef für Kärnten Ernest Hoetzl gelang es, auch die vielen orchestralen Teile reich an Nuancen und Farben, meist extrem ausgereizt und mit enormer Spannung wiederzugeben. Diese Uraufführung wurde vom Publikum mit Jubel bedankt!

Auch zuvor erwiesen sich die deutschen Musiker als gut disponierter Klangkörper: Zuerst bei der „Fantaisie pastorale hongroise“ von Franz Doppler. Bei diesem auf ungarischer Volksmusik basierenden Stück kam auch der Csárdás nicht zu kurz. Hier brillierte die italienische Flötistin Luisa Sello als Solistin mit höchster Virtuosität und großem Einfühlungsvermögen.

Immer wieder hört man bei Wolfgang Amadeus Mozarts dreisätziger Symphonie Nr. 38 in D-Dur KV 504 mit dem Beinamen „Prager“ (Uraufführung 1787 in Prag) schon seinen damals im Werden begriffenen „Don Giovanni“ durch, der Monate später seine Uraufführung ebenfalls in Prag erleben sollte. Dem dramatisch-opernhaften Duktus, dem unbändigen Vorwärtsdrängen vor allem im Prestosatz wurde man, abgesehen von kleineren Unstimmigkeiten, mit Frische und Schwung voll gerecht.

Dr. Helmut Christian Mayer

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