Klagenfurt: Ein beachtlich musikalischer Sängerstreit in statuarischer Regie von Wagners "Tannhäuser"

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Es ist dem Stadttheater Klagenfurt hoch anzurechnen, Richard WagnersTannhäuser auf den Spielplan zu setzen. Denn die Oper, die hier letztmalig vor etwa 30 Jahren zu erleben war, stellt nicht nur ein kleineres Haus vor hohe Ansprüche. Musikalisch kann das Vorhaben als sehr gelungen bezeichnet werden.

Das liegt einmal am Kärntner Sinfonieorchester unter Nicholas Carter, der zum kommenden Jahreswechsel übrigens mit Johann Strauß „Fledermaus“ am Pult der Wiener Staatsoper debütieren wird.  Der Chefdirigent lässt das Werk mit detailreichen, flimmernden, sinnlich erregten, aber auch weihevollen Klängen und ausgewogener Balance musizieren.

Das liegt aber auch am sehr gut besetzten Sängerensemble: Marco Jentzsch, der bereits an größeren deutschen Häusern als Erik, Froh, Lohengrin und Parsifal reüssierte, punktet in der schweren Partie des Titelhelden mit Höhensicherheit und differenziertem Ausdruck. Vor allem seine „Romerzählung“ geht unter die Haut. Sebastian Wartig ist ein edler Wolfram mit wunderbarem Timbre, besonders die herrliche Arie „O du mein holder Abendstern“ gelingt ihm vortrefflich. Luciano Batinic hört man als Landgraf mit weichem Timbre. Joo-Anne Bitter singt eine fassettenreiche Elisabeth mit innigem aber auch jubelndem Ausdruck. Exzessiv klingt die Venus von Irene Roberts. Auch die vielen kleineren Partien sind gut besetzt. Mit großer Ausgewogenheit, feinsten Piani aber auch enormer Stimmgewalt singt der Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt  (Einstudierung: Günter Wallner).

Allerdings konnte mit der hohen musikalischen Qualität die Inszenierung von David Bobée (er ist auch sein eigener Bühnenbildner) nicht ganz mithalten. Mit einer hohen Marienstatue in Büßerstellung und einem Kreuz im letzten Akt, das sich zum Finale bis zum Boden senkt und auch als Spielfläche dient, kann er zwar so manche eindrucksvolle Bilder erzeugen. Dazu tragen auch einige diffuse Stimmungen, erzeugt durch Licht, Rauch und Effekten der im ersten und dritten Akt mit knöcheltiefem Wasser durchfluteten Bühne – der Grund dafür erschließt sich nicht- bei. Allerdings herrschen dabei und auch bei den farblosen Kostümen (Axel Aust) nur trostlose Grautöne vor. Lediglich bei der Venus-Szene zu Beginn und bei den entbehrlichen Video-Projektionen zur Ouvertüre mischen sich bunte Farben, vornehmlich Rot hinein. Von einem geheimnisvollen Zauberreich ist ebenso wenig zu sehen wie von einem sonnendurchfluteten, irdischen Frühlingstag. Und bei der eigentlichen Personenführung ist überwiegend statuarisches Handeln angesagt.

Stehende Ovationen!

Dr. Helmut Christian Mayer

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