Josip Ipavec: Ein zu Unrecht vergessener, slowenischer Tonschöpfer

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Zum 100. Mal jährt sich heuer der Todestag von Josip Ipavec (1873 -1921). Dieser in Sentjur bei Celje geborene, slowenische Komponist spielte in seiner Kindheit Violine und Klavier und begann bereits am Gymnasium zu komponieren. Sein erster musikalischer Lehrer war sein Vater, später studierte er Musik auch in Graz und Wien. Wie sein Vater studierte er zudem noch Medizin in Graz und war als Militärarzt und Distriktarzt tätig.

Ipavec komponierte Lieder, ein Ballett namens „Mozicek“ („Männchen“), das 1902 auch in Graz und später in Klagenfurt zu erleben war und auch eine komische Spieloper „Prinzess Tollkopf“. Sein Werk geriet jedoch bald ziemlich in Vergessenheit. Zu Unrecht findet Gabriel Lipus, weswegen der innovative Spiritus rector des „Musiktheaters Gabriel“ und Sänger auf die Idee kam, dieses Jubiläum mit einem Konzert gebührend zu feiern, denn Josip Ipavec schrieb herrliche, spätromantische Musik. Also Grund genug als Hommage an diesen Komponisten einen kompletten Abend in Klagenfurt zu widmen.

Ich will meine Seele tauchen“: Ungemein einfühlsam und exemplarisch textverständlich erklang dieses Lied, gesungen vom hellen und sonoren Bariton von Gabriel Lipus. Es ist exemplarisch eines von insgesamt 33 Liedern mit balladischen und elegischen Stimmungen, die bei diesem Konzert aufgeführt wurden. Sie alle haben gemein, dass der Einfluss von Alexander Zemlinksy, er war der Lehrer von Ipavec, stark hörbar ist. Aber auch Anklänge von Gustav Mahler, Richard Wagner, Robert Schumann und Franz Schubert hört man heraus. Dabei klingen alle seine Lieder, viele auch im leichten Volkston, aber überwiegend melancholisch, teils sehr getragen, es waren aber auch ein paar fröhliche wie auch dramatische zu hören. Sie erklangen in slowenischer und deutscher Sprache. Ipavec hat hauptsächlich auf Deutsch komponiert. Er vertonte hauptsächlich Gedichte von Heinrich Heine, aber auch von Johann Wolfgang von Goethe sowie auch von Nikolaus Lenau, Theodor Strom und andere.

Für diesen Abend wurden auch noch gleich zwei Sängerinnen aus dem Ensemble der Wiener Staatsoper aufgeboten: Regine Hangler (Sopran) sang die Lieder ebenfalls extrem wortdeutlich, mit feinem Legato und hellem Sopran, wobei das „Mailied“ von ihr sehr beschwingtdargeboten wurde. Monika Bohinec (Mezzosopran) sang sehr berührend, schön phrasierend, mit feinem Timbre und für einen Mezzo mit erstaunlichen Höhen, wobei das Lied „Frühlingsnacht“ ungemein anrührend gestaltet wurde. Es gab aber auch ein Duett „Hans und Grete“, das Lipus abwechselnd mit beiden Damen sang. Begleitet wurden die drei sehr einfühlsam und unaufdringlich von der Pianistin Tatjana Pichler. Moderiert wurde der Abend zweisprachig von Igor Grdina, einem anerkannten slowenische Musikologen und Historiker.

Bei diesem Konzert kam es auch zur Präsentation von drei brandneuen CDs mit dem kompletten Liedwerk von Josip Ipavec. Auf diesen sind alle Lieder sowohl in slowenischer als auch in deutscher Sprache und meist unterschiedlichen Sängerinnen und Sängern zu hören, was zu interessanten Vergleichen einlädt. Ein Teil der Lieder sind auf der dritten CD auch in einer modernen, teils ungewohnten Bearbeitung durch das 4SAXESS Saxophonquartett, das sind Andrej Omejc (Sopransaxophon), Oskar Laznik (Altsaxophon), Tadej Sepec (Tenorsaxophon) und Dejan Presicek (Baritonsaxophon), zu hören.

Viel Applaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

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