Graz-Styriarte-steirische Festspiel-Eröffnung: Eine nächtliche Huldigung

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Eigentlich wollte man seitens der „styriarte“ auch dieses Jahr, den vor zwei Jahren begonnenen Opern-Zyklus von Johann Joseph Fux fortsetzen und zwar szenisch. Nach „Julo Ascanio, Re d’Alba“ (2018) und „Dafne in Lauro“ (2019) wäre dieses Jahr eine weitere Rarität des steirischen Barockkomponisten „Geschenke der Nacht“ („Gli Ossequi della Notte“) geplant gewesen. Weitere drei Fux-Opern werden in den nächsten Jahren erklingen. Allein, durch die Corona-Pandemie kam alles anders und so präsentierte man heuer zur Eröffnung der Steirischen Festspiele, nur einen konzertanten, repräsentativen Querschnitt dieser Kostbarkeit in der Grazer Helmut-List-Halle. Diese am 15.7.1709 im Garten der kaiserlichen Favorita in Wien mit ungeheurem Aufwand uraufgeführten Nachtoper von Fux, damals in den Diensten ihrer kaiserlichen Majestäten, war ein Geschenk von Kaiser Joseph I. zum Namenstag seiner Gemahlin Amalie Wilhelmine. Dabei wurde die Nacht selbst zum Thema dieses Bühnenwerks: Und so steigt „La Notte“ (Maria Ladurner mit reinem, koloraturensicherem Sopran) selbst vom Himmel herab, um der Kaiserin zu huldigen. Diese wird von einer prachtvollen Doppelfuge begrüßt. Sie kommt jedoch nicht allein, in ihrem Gefolge taucht neben anderen auch „Il sonno“ der Schlaf (Valerio Contaldo mit tenoralem Schmelz) auf. Die Nacht ist jedoch nicht gekommen, um den Menschen süßen Schlaf zu bringen, sondern im Gegenteil um mit Pauken und Trompeten ein lautes Lob zu singen. So kommt es zwischen den beiden zum Disput. Dieses und das weitere Feuerwerk an brillanten Einfällen von Fux wurden vom styriarte Festspiel-Orchester unter Alfredo Bernardini, der die Musiker teils von der Oboe aus spielend leitete, mit Stilsicherheit, Frische und vorwärtsdrängendem Drive musiziert.

Eingeflochten in die Aufführung wurden zwei nächtliche Instrumentalkonzerte: Fux schildert im Concerto „Le Dolcezze el’Amarezze della Notte“ („Süßigkeiten und Bitternisse der Nacht“) Geschichten von nächtlichen Fatasien, von Gespenstern und auch sogar von einem Schnarcher, köstlich imitiert vom Kontrabass. In Antonio Vivaldis Concerto „La Notte“, wird Ähnliches erzählt. Hier zeigte Marcello Gatti als Solist auf seiner Traversflöte viel Virtuosität aber etwas zu wenig Präsenz.

In nur drei Wochen realisiert, erklang noch zuvor die Uraufführung einer Mini-Oper „Die Musen von Parnass“ für sechs schrill kostümierte, intonationssichere, mit Stimmgabeln ausgestattete Musen, mit Texten (Thomas Höft), die dezent auf das aktuelle Konfliktfeld zwischen Politik und Kunst anspielten und feiner, mäßig moderner Musik von Flora Geißelbrecht (musikalische Leitung: Raimonda Skabeikaitè), die zwischen den Eröffnungsreden eingebunden wurde. Der österreichische Bundespräsident Alexander van der Bellen wusste in seiner Eröffnungsrede einmal mehr ein launiges Extempore über die im Text der Oper erwähnte berühmte Tapetentüre der Hofburg, wo sein Arbeitszimmer liegt, über tote Kaiser und Pauken und Trompeten zu bieten. Neben ihm hielten noch u.a. Vizekanzlerund Kulturminister Werner Kogler, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und der rührige Intendant der „styriarte“ Matthis Huber („Wir schreien nicht, wir arbeiten“), dem  die Realisierung der Festspiele, wenn auch in anderer Form gelungen ist, ihre Reden. Und dazwischen spielten sogar noch die herrliche vierköpfige Formation „Spafudler“ neue Volksmusik und eine „Türkenmusik“ von Fux.

Ein unterhaltsamer, gelungener vom Publikum bejubelter Abend.

Dr.Helmut Christian Mayer

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