Graz-Styriarte-: Eine venezianische Nacht im nüchternen Rahmen

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„Alle maskiert, alle maskiert“: Schon im Foyer der Grazer Helmut List Halle wurden die Besucher passend zu deren getragenen Mund-Nasen-Schutz von einem kostümierten Sängertrio und einem Akkordeonisten (Tobias Kochseder) mit diesem Stück aus „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß schwungvoll begrüßt. Und das passend direkt neben den angebrachten Warntafeln „Maskenpflicht bis zum Sitzplatz“, was viele zum Schmunzeln animierte. Dann intonierte der stimmlich und mit viel Schmelz hervorstechende Tenor Mario Lerchenberger „Komm in die Gondel“ aus der selben Operette, bevor die Sopranistin Barbara Pöltl und Mezzosopranistin Brigitta Wetzl gekonnt und tonrein „Schöne Nacht, du Liebesnacht“ anstimmten und dann das Publikum bei der „Barkarole“ aus Jacques Offenbach „Hoffmanns Erzählungen“ mitsummen durfte. Und jeder wurde beim Lauschen auch zu einem Glas prickelnden Sekt oder einem Weißwein eingeladen.

Drinnen dann zwei echte Venezianer: Giacomo Casanova und Antonio Vivaldi, passend zum Motto: „Una notte veneziana“, wobei venezianisches Flair in der riesigen, nüchternen und mit dem behördlich vorgeschriebenen Abstand bzw. der Limitierung der Besucherzahl besetzten Helmut List Halle nur bedingt versprüht werden konnte. Dieser Programmpunkt der „styriarte“ – der steirischen Festspiele - war ja auch ursprünglich als Wandelkonzert im viel zu engen Grazer Stadtpalais Attems geplant gewesen. Die Schauspielerin Chris Pichler in historischer Männerkleidung und sehr viril auch in ihren Bewegungen gab dem ewigen Verführer ihre wohlklingende Stimme, moderierte auch den weiteren Abend und las auch sehr plastisch aus zwei Liebesnächten von Casanova mit der geheimnisvollen Nonne M.M. aus dessen eigener Feder vor und lümmelte dabei teilweise auf einem alten Sofa in der Bühnenmitte.

Die siebenköpfige, neugegründete und hier erstmals auftretende Palais Attems.Hofkapelle unter Michael Hell, der auch gekonnt solistisch die Blockflöte und auch als souveräner Continuo Spieler am Cembalo bediente, musizierte ambitioniert aber nicht immer ganz intonationsrein, was aber in erster Linie den historischen Instrumenten geschuldet ist, aber immer mit absoluter Stilsicherheit: so erklangen der erste Satz des Concerto für Altblockflöte RV 108 und nach der Sonata RV 63 „La follia“ (Die Tollheit) auch das Concerto RV 104 „La notte“ (die Nacht), alle von Antonio Vivaldi, den Casanovas Eltern schon sehr schätzten. Allerdings wäre für diese Darbietungen von der akustischen Präsenz her ein kleinerer Rahmen besser gewesen.

Koloraturensicher und glockenrein vermochte dann Tetiana Miyus mit drei Arien, echte Raritäten aus dem Repertoire einer echten venezianischen Primadonna Adriana Ferrarese del Bene, von Pasquale Anfosi, Ferdinando Bertoni und Wolfgang Amadeus Mozart („Un moto di goia“ aus „Figaros Hochzeit“) zu begeistern. Eva Maria Pollerus steuerte am Hammerflügel mit dem ihm eigenen Klang die gefühlvolle Begleitung bei und wusste auch solistisch mit dem „Fragment einer Fantasie“, KV 396 von Mozart zu beeindrucken.

Jubel!

Dr.Helmut Christian Mayer

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