Feldkirchen: Gounods „Philemon und Baucis“- Von ewiger Treue

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„Es wäre nicht die erste Ehe, die du ruinierst,“ wirft Vulkan seinem Chef Jupiter vor. „Wer kann, der kann,“ ist seine lapidare Antwort, denn der triebgesteuerte Göttervater glaubt in Baucis ein neues Opfer gefunden zu haben, nachdem er sie und ihren Mann Philemon, die seit 60 Jahren glücklich verheiratet sind, auf ihren Wunsch die Jugend zurückgegeben hat. Letztlich wird er aber mithilfe des Schmiedegottes ausgetrickst und die Treue siegt: „Philemon und Baucis“ heißt die diesjährige „Sommeroper im Amthof“ in Feldkirchen in Kärnten, womit das zehnjährige Bestandsjubiläum gefeiert wird.

Man bleibt dabei auch wieder der Programmatik der Reihe treu, hier eine absolute Opernrarität zu zeigen. Diese basiert diesmal auf einer antiken Vorlage („Metamorphosen“ des Ovids). Ulla Pilz hat daraus eine eigene deutsche Fassung mit ungemein witzigen Dialogen kreiert und auch das Kunststück vollbracht, reimende Gesangsnummern zu schaffen. Sie führt auch gleich die Regie, hat die wunderbare Liebesgeschichte zeitlos angesiedelt und charmant, ideenreich, mit viel Humor gewürzt, mit leichter Hand serviert und mit einfachsten Mitteln in Szene gesetzt. Da genügen die Wand einer stilisierten Hütte, die sich dann bei der Verjüngung des Ehepaars in ein blumenbetontes, geschmackvolles Ambiente verwandelt.

Bei Charles Gounod französisch romantischer Musik mischen sich herrliche Arien und Ensembles mit witzigen Couplets und Walzer zu einer leichtfüßigen Mixtur, wobei einige Gesangsnummern recht anspruchsvoll sind: Damit hat Iza Kopec als Baucis keinerlei Mühen. Sie singt auch die bis höchste Höhen reichenden Koloraturen sauberst. Als Philemon überzeugt Juraj Kuchar mit schön timbriertem Tenor. Armin Gramer hört man als Jupiter mit feinem Countertenor. Johannes Hanel als der den Götterchef auf seinen berüchtigten Erdenausflügen begleitende Schmiedegott Vulkan singt kernig, greift gern zur Flasche, kann seine komische Ader voll ausspielen und hat die Lacher auf seiner Seite.

Eine tolle Leistung vollbringt Nana Masutani als „Orchester“. Sie spielt 90 Minuten pausenlos am Klavier hochkonzentriert, vital und sehr nuanciert. Jubel im Publikum, in dem allein acht 50 und mehr Jahre verheiratete Ehepaare über Einladung saßen!

Dr. Helmut Christian Mayer

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