"Die Rose von Stambul" in Baden: Schwungvolles Liebesglück zwischen Okzident und Orient

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Es ist schon erstaunlich, dass die Operette „Die Rose von Stambul“ von Leo Fall ungefähr 100 Jahre nach ihrer Uraufführung heute noch immer einen derartig topaktuellen, politischen Bezug aufweist. Denn in dieser Rarität, die überwiegend in Istanbul spielt, geht es um den Konflikt zwischen Orient und Okzident, um Zwangsverheiratung und um die Schleiertragepflicht. Alles jedoch mit Augenzwinkern und mit einem Happyend.

Thomas Smolej zeigt in seiner ersten Regiearbeit überhaupt diese Zeitlosigkeit. Vor nur angedeuteten Kulissen, einer dunklen Silhouette von Istanbul oder eines Foyers eines modernen Schweizer Hotels (Bühne: Sam Madwar) inszeniert er mit verknappten und modernisierten Dialogen die amourösen Verwirrungen mit Esprit und Witz, wodurch das Publikum immer wieder zum Lachen animiert wird.

Orientalische Musikelemente, reizvolle koloristische Mittel und klangliche Charakterisierung der türkischen Atmosphäre prägen das Stück musikalisch. Trotz dieser Einfärbung wahrt die Musik primär die Wesenszüge die Wiener Provenienz mit dem Vorrang auf dem Walzertakt. Reich sind die original-einprägsamen thematischen Einfälle, insbesondere der dankbaren großen Gesangsszenen der beiden Hauptpartien. Eine Art Leitthema ist der große Walzer "O Rose von Stambul". Leo Falls Meister-Operette besticht aber auch mit mozartianischen Tenor-Arien wie „Ihr stillen süßen Frau'n“ und dem Duett „Ein Walzer muss es sein“. All dies ist beim Orchester der Bühne Baden unter der Leitung des Kapellmeisters Michael Zehetner in den besten Händen. Es wird temperamentvoll, mitreißend und schwungvoll musiziert.

Zum Erfolg trägt auch wieder ein vom Intendanten Michael Lakner sehr homogen und sorgsam zusammengestelltes Ensemble bei: Ivana Zdravkova als Kondja Gül, die Rose von Stambul, singt fein und sauber, an der Verständlichkeit ihrer gesprochenen Dialoge sollte sie jedoch noch arbeiten. Der darstellerisch sehr zurückhaltende Sebastian Reinthaller als Achmed Bey alias André Lery singt aber kraftvoll und höhensicher mit schönem Tenor. Verena Barth-Jurca ist eine quirlige Midili mit flexiblem Sopran. Alexander Kröner ist ein komischer, gut singender Fridolin Müller. Mit komödiantischer Wucht erlebt man auch Nadja Maleh als ungemein witzige schweizerische Hoteldirektorin. Ebenso komisch: Stephan Paryla-Raky als mit starken norddeutschen Idiom sprechender Müller senior. Extra erwähnt sei noch der junge, sehr talentierte, herumwirbelnde und nur in Reimen sprechende Matthias Trattner als Hotelpage Maxi.

Das von Anfang an klatschfreudige Publikum sorgt im vollen Saal für viel Applaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

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