„Die Ausflüge des Herrn Brouček“ von Leoš Janáček in Bregenz: Reise eines Spießers auf den Mond und ins Mittelalter

Xl_broucek-baroyan-hoare-c_anja_koehler-bregenz-7-26-1 © Anja Koehler

Eigentlich will er ja nur seine Ruhe haben und natürlich seine Würste sowie vor allem sein geliebtes Bier, von welchem er ja ständig und viel trinkt: Das ist der Lebensinhalt von Matěj Brouček, einem Prager Hausbesitzer, einem bodenständigen Spießer, der abgeschottet von der Welt in einem winzigen Häuschen lebt, der aber ungewollt im Rausch oder Traum wildeste Abenteuer auf dem Mond und im Mittelalter, zur Zeit der Hussitenkriege, erlebt.

Die Bregenzer Festspiele zeigen diese Opernrarität „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ von Leoš Janáček, seine fünfte Oper – die Uraufführung 1920 in Prag war kein Erfolg - in tschechischer Sprache im Festspielhaus. Jenes skurrile, surreale, absurde Werk ist eine bissige Gesellschaftssatire und nimmt snobistische Künstler und Spießbürger von Prag jener Zeit auf den Arm. So sieht es auch Yuval Sharon (Er wird übrigens 2028 hier Wagners „Fliegenden Holländer“ auf der Seebühne inszenieren.) Insgesamt fehlt es seiner Inszenierung bei dem zwiespältigen Werk jedoch an Biss, Ironie und Satire. Beeindruckend ist, wenn Brouček winziges Häuschen (Ausstattung: Jon Bausor) sich auf den Kopf stellend ins All fliegt, weniger beeindruckend sind die intellektuellen, tänzelnden Mondbewohner als bunte Schachtelwesen ohne Gesichter, die sogar eine gewisse Langeweile erzeugen. Bei der zweiten Reise hebt sich der gesamten Bühnenboden und gibt einen schmutzigen Erdboden frei, wo sich die Bewohner mit alten Klamotten auf die Schlacht vorbereiten, was Brouček ja verweigert, denn überall blamiert er sich mit Ignoranz und Feigheit.

Diesen nicht unsympathischen, grantelnden Anti-Helden, der zwischen Bauernschläue, Trunkenheit und Feigheit pendelt, gibt Peter Hoare ideal und singt ihn mit beißendem Charaktertenor. Mihalis Culpajevs, wie alle anderen Sängerinnen und Sänger in mehreren Rollen zu erleben, verfügt über einen kräftigen Tenor mühelos bis in die geforderten extremen Höhen. Tatev Baroyan hört man mit klarem Sopran. Auch sonst singt das Ensemble in den vielen kleineren Rollen wie auch der Prager Philharmonische Chor ausgezeichnet, spielt aber insgesamt fast zu ernsthaft für den Inhalt der Oper.

Leoš Janáček komplexe, farbenreiche, spätimpressionistische Partitur mit herrlichen Melodien und volkstümlichen Motiven werden von den Wiener Symphonikern unter dem tschechischen Dirigenten Robert Jindra mit viel Transparenz und Differenziertheit und einem wunderbaren Klangteppich musiziert.

Großer Jubel des Publikums im gut besetzten Festspielhaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

 

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