Das Verdi Requiem beim Ljubljana Festival: Zarte und monumentale Klänge

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Die Streicher schienen aus dem Nichts zu kommen, so zart erklangen sie. Mit „Requiem aeternam“ setzte dann ebenso sanft der Chor ein: Ein nahezu magischer Beginn der „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi im Cankar Center beim Ljubljana Festival. Jäh wurde man dann aufgerüttelt von scharfen, hineinfahrenden Schlägen des vollen Orchesters und wilden Aufschreien des auch sonst mit großer Stimmgewalt, Präzision und Homogenität in allen Stimmlagen ausgezeichnet singenden, vereinigten, riesigen Chöre der Slowenischen Philharmonie und des Laibacher Opernhauses.  Das „Dies irae“, ein vielgegliedertes Kolossalgemälde des jüngsten Gerichtes, das zur musikalischen Apokalypse von niederschmetternder Gewalt wurde, ertönte manchmal doch etwas zu knallig und zu laut. Plácido Domingo, diesmal nicht als Sänger sondern am Pult wusste, teils auch immer wieder unter Mitwirkung des Konzertmeisters, bei diesem Monumentalwerk des italienischen Meisters, dessen Nähe zur Oper immer wieder unverkennbar ist, bei der meist exakt musizierenden Sloweniischen Philharmonie viele feine und besonders gewaltige Klänge sowie reiche Farben zu wecken. Dabei traten in allen Instrumentengruppen, bei denen die Klangbalance wunderbar zueinander passte, die Stimmführer mit herrlichen Soli in Erscheinung.  

Gut war das Sängerquartett: Anna Pirozzi beeindruckte zwar mit kraftvollem, dramatischem Sopran, neigte jedoch auch dazu, Töne teils anzuschleifen. Besonders schön und innig geriet ihr das finale „Libera me“. Der samtige, dunkelgefärbte Mezzosopran von Annalisa Stroppa gefiel mit wunderbaren und tief emotionalen Lyrismen und mit voluminösem Klang. Arturo Chazón-Cruz sang die Tenorpartie etwas eindimensional aber höhensicher. Das „Ingemisco“, eines der schönsten Stücke, das Verdi für lyrischen Tenor geschrieben hat, sang er aber doch mit großer Empfindsamkeit. Roberto Tagliavini sorgte mit seinem edlen, wohltönenden Bass für Stimmgewalt und exemplarische Artikulation.

Zum Finale gab es im ausverkauften großen Saal des Cankar Centers stehende Ovationen des völlig begeisterten Publikums!

Dr. Helmut Christian Mayer

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