Christoph Wagner-Trenkwitz über Operette, Marcel Prawy, seine Auftritte und Klagenfurt

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Erst kürzlich haben Sie wieder die Klassiksendung „Pasticcio“ in Ö1 (österreichischer Radiosender des ORF) live moderiert. Sie machen aber nicht nur Moderationen beim ORF und in verschiedensten Theatern, Sie sind auch Dramaturg, Buchautor, Opernballkommentator und Darsteller. Sie sind somit ungemein vielseitig…

Christoph Wagner-Trenkwitz: Gerade diese Abwechslung gefällt mir. Ich will nie nur Dramaturg sein, sondern ich will auch moderieren, schreiben und vor allem auch spielen. Aus dieser Vielfalt beziehe ich auch meine Kraft und Inspiration. Und ich plane nicht immer, sondern überlasse vieles dem Zufall und dem Glück. Ich bin ein Marcel Prawy Schüler, von dem ich hinsichtlich einer Moderation viel gelernt habe.

Welche von Ihren bisherigen Aktivitäten war für Sie besonders prägend?

Wagner-Trenkwitz: Meine erste Moderation einer Staatsopern-Matinee 1998, damals noch mit Marcel Prawy gemeinsam. Dann seit 2001 natürlich das alljährliche Kommentieren des Opernballs. Da muss man mit Witz aber auch Distanz und ohne allzu viel Peinlichkeit agieren. Stolz bin ich auch, dass ich als Dramaturg der Wiener Volksoper Musicals wie „South Pacific“ oder „Brigadoon“ zur österreichischen Erstaufführung verholfen habe. Ich bin ein Freund des qualitätsvollen Musicals, da haben wir noch einiges vor.

Sie sind auch Intendant der Operette Langenlois…

Wagner-Trenkwitz: Ja, da spielen wir jetzt endlich ab 28.7 „Die Fledermaus“ von Strauß, Corona-bedingt um ein Jahr verschoben. Ich spiele den Frosch, meine Frau singt die Rosalinde.

Wie oft schaffen Sie gemeinsame Auftritte mit ihrer Frau, der Sängerin Cornelia Horak?

Wagner-Trenkwitz: Viel zu selten aber doch immer wieder. Ich bin immer glücklich, wenn wir gemeinsam arbeiten können. Meist moderiere ich und sie singt. So traten wir schon zweimal gemeinsam bei „Klassik im Burghof“ in Klagenfurt auf.

Sie sind auch sonst schon öfters in Klagenfurt aufgetreten…

Wagner-Trenkwitz: Ich bin sehr gerne in Klagenfurt. Mir gefallen die Leute, die Stadt und die Ruhe hier. Ich habe hier und im Schloss Porcia in Spittal als 7 - 8-jähriger Bub meine ersten Theatereindrücke bekommen. Auch habe ich beim früheren Intendanten des Stadttheaters Josef Köpplinger alle Einführungsmatineen gemacht und durfte auch beim „Zauberer von Oz“ mitwirken, wo Aron Stiehl Regie führte. Das war unsere erste Zusammenarbeit.  Es ist übrigens das schönste Theater, das ich kenne, von der Architektur her, mit dem herrlichen Park rundum und mit hochmotivierten Leuten. Mit Stiehl bin ich mittlerweile gut befreundet, er ist ein total sensibler Künstler.

Wie stehen Sie zu Zellers „Vogelhändler, der kommenden Samstag Premiere hat“?

Wagner-Trenkwitz: Mit dem Stück habe ich so meine Probleme. Die Musik ist zwar wunderschön aber die Handlung ist nicht ganz erträglich. Aber jetzt hat Aron Stiehl eine knappe, knackige Fassung von unter zwei Stunden, die Corona-bedingt pausenlos gespielt wird, geschaffen. Er hat auch viele neue Ideen eingebracht, ohne der Operette Gewalt anzutun. Denn sonst funktioniert das Genre nicht. Man muss Operetten liebevoll an sich heranziehen, und ohne, dass sie verstaubt oder altmodisch wirken, inszenieren.

Sie spielen gleich mehrere Rollen…

Wagner-Trenkwitz: Wie zwei Veteranen aus dem „Zauberer von Oz“, sitzen der Stoffhund Toto, der von einem Puppenspieler bedient wird, und ich in einer Loge auf der Bühne, wo auch das reduzierte Orchester situiert ist. Wir sind die Erzähler mit einem situationsbedingt ziemlich freien Text, der jeden Abend anders sein wird. Dann bin ich Würmchen, Professor der Zoologie, als welcher ich mit meinem Professorenkollegen Süffle das Couplet „Ich bin der Prodekan“ singen werde. Dann bin ich kurz Jette, eine Kellnerin, sogar im wunderschönen Dirndlkleid und schließlich der Kurfürst, der im Stück eigentlich sonst nie auftritt. Ich habe eigentlich unentwegt zu tun, muss mich ständig umziehen und habe nie Zeit dazwischen in die Kantine zu gehen. Das Stück ist fertig geprobt, am Tag vor der kommenden Premiere, die ja wegen der Pandemie verschoben werden musste, gibt es noch die zweite Generalprobe. Ich freu mich schon drauf!

Dr. Helmut Christian Mayer

 

Zur Person:

Geboren in Wien, 58 Jahre alt, verheiratet mit der Sopranistin Cornelia Horak, Vater zweier Töchter. Studium der Musikwissenschaft, Politikwissenschaft und Romanistik in Wien.
War Pressechef der Wiener Staats- und Volksoper und Chefdramaturg der Wiener Staatsoper. Seit 2009 Chefdramaturg der Wiener Volksoper. Seit 2020 Intendant der Operette Langenlois. Daneben regelmäßige Radiosendungen in Ö1, Künstlergespräche auch im TV sowie Schauspieler, Autor und Kabarettist (u. a. Kabarett Simpl), freiberuflicher Moderator auf verschiedenen Bühnen, Buchautor. Einführungsmatineen an der Wiener Staatsoper, seit 2001 TV-Kommentator des Wiener Opernballs. Lebt in Wien.

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