Cecilia Bartoli in Salzburg: "Alte Musik" grandios interpretiert

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Von einer ganz sanften und ruhigen Melodie, gespielt von einer Gambe, einbegleitet, begann Cecilia Bartoli auch ganz sanft und klar „What Passion Cannot Music Raise…“ aus der „Ode for St. Cecila‘s Day“ von Georg Friedrich Händel zu singen, gleichzeitig auch das Motto des Konzertes mit einem virtuos-tiefgründigen Barockprogramm.  Strahlend wie ihr Lächeln war auch der Gesang der römischen Ausnahmesängerin während des gesamten Konzertes, bei dem sie immer wieder Kleidung und Frisur je nach Rolle direkt auf der Bühne, assistiert von einem kostümierten Diener bei einem Schminktischchen wechselte.

Aber nicht immer nur sanft und gefühlvoll mit betörenden Piani wie auch bei der Arie des Piacere „Lascia la spina…“, ein Juwel aus Händels Oratorium „Il trionfo del Tempo e del Disinganno“ sondern auch, je nach Stimmung, voll temperamentvoller Intensität und Feuer, wie bei der Arie der Melissa aus der Opera seria „Amadigi di Gaula“ war ihre Interpretation. Dabei trat sie auch in einen intensiven Dialog mit der Trompete. Aber alles kam von ihr immer mit tiefem Ausdruck: Denn Cecilia Bartoli ist eine großartige Gestalterin. Und von Anfang an spürte man im Haus für Mozart, wo man im Hintergrund den prachtvollen Zuschauerraum des Teatro San Carlo aus Neapel projiziert hatte, ihre starke Energie. Wie immer entzückte sie aber auch mit ihren höchst virtuosen, präzisen, rasanten, eigentlich kaum singbaren Koloraturen und riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Und sie hielt immer auch weitere Zwiegespräche mit der Oboe etwa bei einer Arie aus Nicola Porporas Oper „Polifemo“ oder mit der Traversflöte bei „Orlando furioso“ von Antonio Vivaldi.

Begleitet wurde sie dabei von „ihrem“ Ensemble Les Musiciens du Prince-Monaco unter Gianluca Capuano, der auch das Cembalo gekonnt bediente. Dabei erwiesen sich fünf Musiker aus den eigenen Reihen als vorzügliche und hochvirtuose Solisten, was etwa beim Concerto für Trompete von Georg Philip Telemann TWV 51:D7 und beim Concerto für Flöte von Vivaldi RV 432 erkennbar wurde.

Und die Bartoli sang nicht nur betörend, sondern tanzte auch bei der Suite aus Händels „Ariodante“. Und sie rauchte gemeinsam mit dem Dirigenten bei einer Zugabe eine Zigarre während des Singens, Geblödelt wurde dabei auch viel, beim letzten der drei Encores ließ sie sogar Gershwins „Summertime“ stark verziert aufblitzen.

Stehende Ovationen und ein nicht endenwollender Applaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

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