Bergamo: Wunderbarer Belcanto bei Donizettis „Belisario“ auf DVD

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Nicht von der Pandemie in die Knie zwingen lassen wollte man sich vom Opernhaus Bergamo, und so führte man trotzdem hier das alljährliche Festival zu Ehren des großen Sohnes der Stadt Gaetano Donizetti auch im Herbst 2020 durch. Seine Rarität „Belisario“ war im November 2020 angesagt, sie sollte auch zur Eröffnung des neurenovierten Opernhauses gezeigt werden. Ursprünglich szenisch geplant, blieb allerdings nur eine konzertante Aufführung übrig, die vom Label Dynamic aufgezeichnet und jetzt kürzlich auf DVD und Blu-ray Disc Nr. 57907 erschienen ist.

Noch während Donizetti an „Lucia di Lammermoor“ arbeitete, begann er das Libretto von Salvatore Cammarano zu vertonen. Diese kaum aufgeführte Opernrarität, die zu ihrer Zeit ein großer Erfolg war, erzählt die Geschichte des historisch existierenden, erfolgreichen Feldherrn Belisar. Dieser stand im Dienst von Konstantinopel, von Kaiser Justinian, und wurde von seiner eigenen Gattin Antonina des Hochverrats bezichtigt und daraufhin vom Kaiser geblendet und mit Schimpf und Schande verjagt. Antoninas Begründung ihrer Intrige war, dass Belisario ihren gemeinsamen Sohn namens Alamiro als Kleinkind aussetzen ließ, weil ihm vorhergesagt worden war, dieser würde dem oströmischen Reich schaden. Das Baby wurde aber nicht getötet, sondern von einem Außenstehenden aufgezogen. Treu zu ihrem nunmehr blinden Vater hielt nur Irene, die mit ihm in die Verbannung gehen wollte und auch das Geheimnis um Alamiro aufdeckte. Antoninas Reue kam zu spät, denn Belisario starb nach seiner Rehabilitierung.

Covid 19 bedingt war das Parkett ausgeräumt, das Haus war auch sonst leer, nur vereinzelt waren die Logen besetzt. Die Sänger traten über den Zuschauerraum auf und hatten viel Platz beim Singen mit großen seitlichen Abständen. Und das tat ihnen sehr gut, denn die Leistungen waren überwiegend exzellent: Allen voran sang Roberto Frontali - eigentlich war ja ursprünglich Placido Domingo für die Rolle vorgesehen, er sagte jedoch ab - einen ungemein präsenten Titelhelden. Sein Bariton ist trotz 30-jähriger Karriere voll intakt, von einnehmender, wunderbarer Weichheit und bester belcantesker Eleganz. Besonders im Duett Ah se potessi piangere mit seiner Tochter Irene verströmte er herrlichen vokalen Balsam. Diese wurde von Annalisa Stroppa mit berührendem und blühendem Mezzosopran und fein modellierten Tönen gesungen. Carmela Remigio formte aus der intrigierenden Gattin Antonia, abgesehen von einigen Schärfen, ein intensives Rollenporträt. Celso Albelo war ein gepflegter Tenor und sang den Almiro mit allen Höhen. Klodjan Kacani, ebenfalls ein Tenor, hörte man als Eutropio markant. Machtvoll erklang Simon Lim als Kaiser Giustiniano. Den immer mit Masken singenden Chor der Donizetti Oper (Einstudierung: Fabio Tartari) erlebte man, ebenso wie die vielen kleineren Partien, tadellos.

Das Orchester der Donizetti Oper spielte am zugedeckten Graben in weiten Abständen zueinander und bis auf die zwischen Plexiglaswänden sitzenden Bläser maskiert unter dem ebenfalls eine Maske tragenden, erfahrenen Dirigenten Riccardo Frizza. Und die Musiker können alle ihren Donizetti. Sie wurden der Musik mit ihrem enormen Brio, den großen Chören und Marschrhythmen mit vielen musikdramatischer Neuheiten, die vor allem an die „patriotischen“ Opern des jungen Verdi und mit einzelnen Passagen an Bellini erinnern, mit Klangschönheit und Präzision voll gerecht.

Fazit: Es war eine Aufführung, bei der man selbst gerne immer wieder applaudiert hätte.

Bei der Videoregie von Matteo Ricchetti ergab sich zudem auch vielfach die Gelegenheit das neurenovierte Opernhaus zu bewundern.

Dr. Helmut Christian Mayer

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