Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ in Ljubljana: Statischer Minimalismus im Mafiamilieu

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Elegant herausgeputzt sitzt die große, ehrenwerte Familie zwischen Scheinwerfern in einem Fotostudio und lässt sich porträtieren. Plötzlich fällt ein Schuss. Der Sohn des „Paten“ der Capulets wird getroffen, sackt zusammen und stirbt. Großes Entsetzen! Erst jetzt setzt die Ouvertüre ein. Frank Van Laecke, der hier am Ljubljana/Laibacher Opernhaus schon mehrfach inszeniert hat, verlegt den Plot von „I Capuleti e i Montecchi“ von Vincenzo Bellini ins Mafiamilieu der 1950er Jahre. Allerdings ist dem belgischen Regisseur ansonsten zu der wohl ergreifendsten und bedeutendsten Liebensgeschichte der Weltliteratur „Romeo und Julia“ szenisch nicht viel eingefallen. Außer, dass er den Romeo, der bei Bellini in einer Hosenrolle von einer Mezzosopranistin gesungen wird, als Frau zeigt, im zweiten Teil sogar im weißen Kleid mit roten Fingernägeln, dessen Sinn sich letztlich jedoch nicht erschließt. Dafür hat er sogar den Text verändert. Ansonsten wird diese Eröffnungsproduktion auf einer leeren Bühne (Philippe Miesch) zwischen einem Sofa und einigen Stühlen von statischen Arrangements dominiert, bei denen häufig mit gezückten Pistolen herumgefuchtelt wird.

Dass die Gefühle nicht ganz auf der Strecke bleiben, dafür sorgt Štefica Stipančević als Giulietta mit innigem, schönem Sopran und blitzsauberen Koloraturen. Irena Parlov ist ein sehr weiblicher Romeo, die im Forte allzu sehr auftrumpft, viel Schärfe aufweist und immer wieder Töne anschleift. Als Tebaldo ist Aljaž Farasin mit mühelosen Höhen zu vernehmen. Schönstimmig erlebt man Darko Vidic als Pater Lorenzo, nicht immer intonationsrein singt Robert Vrčon den „Paten“ Capellio. Ausbalanciert und homogen singt der Chor des Laibacher Opernhauses.

Offenbar immer noch wegen der Pandemie ist das Orchester des Laibacher Opernhauses nicht im Graben sondern auf der Hinterbühne platziert. Und so hört man die Töne meist verstärkt über Lautsprecher, was nicht unbedingt zu einem besseren Klang beiträgt. Roberto Gianola am Pult lässt dabei sehr gut, aber etwas zu brav musizieren. Viel Applaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

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