Baden: Benda "il buon marito" und Haydn "Arianna a Naxos": Historischer Zauber barocker Raritäten

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Sie müssen nicht nur alle Töne treffen und sich alle Wörter merken, sondern auch fast ständig die dazu passende Gestik: Genauso will es Bernd Roger Bienert von seinen Sängerinnen und Sängern. Denn der gebürtige Wiener, der als hervorragender Kenner barocker Operntradition gilt, hat sich mit seinem 2012 gegründeten Teatro Barocco einer historischen Aufführungspraxis verschrieben und will eine gleichsam originalnahe Belebung eines möglichst werkgetreuen Gesamtkunstwerkes auf der Bühne zeigen. So hat das Teatro Barocco über die letzten Jahre im heutigen vielfältigen Spektrum der Inszenierungsstile einen fixen Platz gewonnen.

Besonders reizvoll ist es diesmal, die österreichische Erstaufführung von „Il buon marito“, („Der gute Ehemann“, dessen Uraufführung 1766 stattfand) eine zweiaktige, höchstvergnügliche Opera buffa des heute kaum mehr gespielten Komponisten Georg Anton Benda (1722 – 1795) im historischen Theatersaal des Congress Casino Baden zu erleben. Und zwischen den beiden Akten wird die Solokantate „Arianna a Naxos“ („Ariadne auf Naxos“) von Joseph Haydn (die Uraufführung fand 1789 statt) gespielt.

Und beides wird in nachgebauten Originalkulissen und prächtigen Barockkostümen gezeigt. Wobei das Kleid der Ariadne nach dem im Burgtheater erhaltenen Originalgemälde von Joseph Hickel von 1786 nachgeschneidert wurde. Durch akribische Forschung und minutiöse Sorgfalt des Intendanten Bienert, der für Regie, Bühnenbild, Kostüme und Licht verantwortlich zeichnet, werden die beiden Opernraritäten in barocker, den Text immer nachvollziehbarer Gestik, bei schummrigem, hauptsächlich von unten strahlenden Licht, um so das damals verwendete Kerzenlicht nachzustellen, aufgeführt.

Und die Gesangsstimmen lassen keine Wünsche offen: Ausdrucksstark, mit vielen Nuancen und wunderbar phrasierend erklingt der Sopran der slowakischen Sängerin Maria Taytakova als Rosetta, der dominanten Gattin, die ständig warten musss, bis ihr Gatte betrunken nach Hause kommt, und der Spanier Pablo Cameselle ist ihr gutmütiger Ehemann Bazzotto (was auf Italienisch weichgekocht oder angetrunken heißt), der schließlich alles tun muss, was sie verlangt, und singt ihn mit kultiviertem Tenor. Innigst und glockenrein, teils flammend ertönt der Sopran von der Wienerin Katarina Adamcyk als um ihren Theseus trauernde Ariadne, die schließlich in den Fluten des Meeres springt und Selbstmord begeht. Es brachte sie auch nicht aus der Ruhe, dass einer Geigerin eine Saite riss und sie mit ihrer Arie nochmals beginnen musste.

Vital, frisch, durchsichtig, farben- und akzentreich erklingt das Werk. Das auf Alte Musik spezialisierte, nur neunköpfige Ensemble Teatro Barocco, das hauptsächlich aus Musikern des Concentus Musicus Wien und der Grazer Kunstuniversität besteht, führt es unter dem es vom Hammerklavier leitenden Aries Caces aus den Philippinen auf historischen Instrumenten, mit all ihren Tücken, stimmungsvoll auf. Die vielen Lyrismen und Affekte werden ideal herausgearbeitet.

Fazit: Eine gelungene, hochinteressante Wiederbelebung von zwei Raritäten im alten Stil!

Großer Jubel im vollbesetzten Saal!

Dr. Helmut Christian Mayer

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