Arena di Verona: "Il Trovatore" auf DVD: Große Bildmächtigkeit und Debüt einer Primadonna

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Gerade jetzt wäre die heurige Saison mit den wichtigsten Premieren und den Wiederaufnahmen in der Arena di Verona bereits angelaufen und im vollen Gange. Man wartete auch noch längere Zeit mit einer Absage, die dann aber doch kam und die künstlerische Leiterin Cecilia Gasdia musste auf Grund der Pandemie das heurige Programm komplett auf 2021 verschieben. Für diesen Sommer sind jetzt nur einige konzertante Arienabende geplant. Gerade rechtzeitig ist jetzt bei C Major/Unitel eine DVD/Blu-ray-Disc Nr. 754704 von Giuseppe Verdis „Il Trovatore“ aus dem Jahr 2019 herausgekommen, von Franco Zeffirelli in Szene gesetzt. Der mittlerweile verstorbenen Regie-Altmeister versteht es wie kein Zweiter, die riesigen Räume der Arena-Bühne mit Leben zu erfüllen und die Chöre und Menschenmassen geschickt zu führen. Die Veroneser Opernfestspiele werden noch eine Zeitlang von seinen existierenden Inszenierungen zehren können. Vielleicht können noch Hugo de Ana oder Pier Luigi Pizzi mit dem Riesenrund ähnlich umgehen. Und so hat Zeffirelli, der ja wie immer sein eigener Bühnenbildner ist, auch beim Troubadour wieder aus dem Vollen geschöpft und dem Auge wieder eine große ästhetische Bildmacht inklusive Farbenpracht geboten. Besonders optisch beeindruckend ist, wenn sich der mittlere der drei mit Waffen übersäten Wehrtürmen, als Leonore der Welt abschwören will, zu einer prachtvollen gotischen Kathedrale öffnet. Und er erlaubte es sich auch, zusätzliche Zigeunerballette einzuführen, um auch die prächtigen Kostüme, die von Raimonda Gaetani stammen, effektvoll zur Schau stellen zu können. Auch Tiere, in diesem Fall Pferde, dürfen nicht fehlen, und so können Leonore und Manrico ihrem kurzen Glück entgegen reiten. Staunen machen auch die vielen Details, die auf dieser DVD erkennbar sind und von Ticiano Mancini als Video-Regisseur wunderbar eingefangen werden. Details, die für den Arena Besucher auf Grund der riesigen Dimensionen als solche nie erkennbar sind.

Bemerkenswert ist diese Produktion aber auch, weil keine Geringere als Anna Netrebko damit in der Arena debütierte. Strahlend schön singt sie die Leonora, reich an Farben und Emotionen ihres dunkel grundierten, leidenschaftlich lodernden Soprans und mit Leichtheit und Präzision die Koloraturen sogar einmal am Pferd reitend. Und sie findet auch zu engelsgleichen Tönen. Wer sie engagiert, muss auch Yusif Eyvazov nehmen, der den Manrico zuverlässig, mit allen mühelosen Acuti auch für die berühmte Stretta singt. Leider stört wie immer sein gequetscht klingendes Timbre in der Mittellage. Dolora Zajick ist eine ungemein präsente Azucena mit unheimlicher, geradezu dämonischer Ausstrahlung. Hauptsächlich mit sehr kraftvollen, ja kraftmeierischen Tönen erlebt man Luca Salsi als Graf Luna. Von den vielen kleineren Rollen sticht besonders Riccardo Fassi als Ferrando hervor. Mit viel Power singt der Chor.

Bei Pier Giorgio Morandi am Pult des Orchesters der Arena wäre hinsichtlich Vitalität und Zusammenspiel mit dem Chor noch Luft nach oben. Zudem hängt er bei seiner Begleitung zu sehr an den Lippen der Diva und erlaubt ihr alle Freiheiten. Aber als erfahrener Kapellmeister hält er alles gut zusammen, was in der Arena besonders zu würdigen ist.

Unendlicher Jubel für alle Beteiligten gibt es zum Schluss, ganz intensiv natürlich für Anna.

Dr. Helmut Christian Mayer

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