"Arabella" im Stream der Wiener Staatsoper: Feinsinniger Liebesschwank

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Völlig unspektakulär, ja brav, detailreich und provokationsfrei durchgestaltet ist die Inszenierung der „Arabella“ von Richard Strauss von Sven-Eric Bechtolf an der Wiener Staatsoper aus dem Jahre 2006, von der jetzt eine spätere Aufführung vom 17. März 2017 mittels Stream gezeigt wurde. Diese Oper ist ja bekanntlich die letzte gemeinsame kongeniale Kooperation des bayrischen Komponisten mit Hugo von Hofmannsthal. Die Wiener Geschichte von einem Mädchen, das sehr wählerisch auf den „richtigen“ Mann wartet und diesen auch letztlich bekommt, wurde vom Leading Team aus dem Jahr 1860 in die Entstehungszeit der Oper um 1933 verlegt. Was dem Plot zwar nicht schadet, aber auch nicht wirklich nutzt. Dunkle ästhetische Art-Deco Kulissen in Schwarz und Gold, erdacht von Rolf Glittenberg, die überall sein könnten, bewirken eine dekadente Endzeitstimmung: Sie zeigen eine ästhetische, durchgestylte Hotelsuite wie auch einen Hotelfestsaal und eine Hotelhalle mit einer Stiege zum Finale. Die geschmackvollen Roben aus den 1930-er Jahren stammen von Marianne Glittenberg. Die Personenführung ist logisch, nicht störend und eher sehr zurückhaltend aber entfacht, wenn die entsprechend agierenden Protagonisten am Werk sind, durchaus Wirkung.

Und wie diese sind ausreichend vorhanden: Allen voran singt Camilla Nylund, optisch eine Augenweide, eine traumhaft schöne Titelheldin, immer mit dem gewünschten, schwärmerischen Tonfall und reinsten Tönen, makellos bis in alle Höhen. Chen Reiss hört man als Zdenka kristallklar. Sie vermag auch große Innigkeit auszustrahlen. Bo Skovhus ist als Mandryka vielleicht manchmal zu sehr ein Sir und nicht „ein halber Bauer“, wie ihm dies Hofmannsthal selbst in den Mund legt. Sein Gesang ist geprägt von schönen, weichen Tönen. Manchmal wirkt er jedoch auch etwas angestrengt. Herbert Lippert gibt einen höhensicheren, darstellerisch wenig leidenschaftlichen Matteo. Wolfgang Bankl ist ein spielsüchtiger, markiger Graf Waldner mit mächtigem Organ und starkem wienerischen Idiom. Stephanie Houtzeel ist seine präsente Frau Adelaide, die allerdings darstellerisch, wie so oft, wieder einmal stark zum Outrieren neigt. Schwindelerregend sicher sind die Koloraturen der Daniela Fally als Fiakermilli, die wiederum tänzerisch ihren perfekten Spagat hinzulegen vermag. Die drei Verehrer der Arabella singen ohne Makel: Rafael Figerlos als Charlie Chaplin-Verschnitt und Marcus Pelz als Lamoral, wobei Norbert Ernst als Elemér die beste stimmliche Figur macht.

Dieses kongeniale Werk, diesen genialen Liebesschwank weiß Altmeister Peter Schneider am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper so richtig erblühen zu lassen. Wenn man vielleicht auch schon feinsinnigere und detailreichere Interpretationen gehört hat, so lässt er die farbenprächtigen Klänge doch bei den Musikern immer transparent auffächern und klangschwelgerisch aufrauschen.

Großer Jubel!

Dr. Helmut Christian Mayer

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