Anna Netrebko und Yusif Eyvazov in Salzburg: Einblicke in die russische Seele

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In Neapel, Rom, Verona, Ljubljana waren sie schon, Grafenegg folgt demnächst: Um nur einige der sommerlichen Stationen von Anna Netrebko und Yusif Eyvazov zu nennen.

Und jetzt war Salzburg dran: Ausnahmslos Russisches und ausnahmslos von Peter Iljitsch Tschaikowsky war diesmal beim Konzert bei den Festspielen im Großen Festspielhaus angesagt. In eine prächtige, hellblaue Robe gehüllt, erschien Anna Netrebko. Wieder einmal erlebte man, die Starsopranistin mit allen nur erdenklichen Fassettenvon sanften Lyrismen bis hin zu emotionalen Ausbrüchen. Zudem faszinierten wieder ihre reiche Farben, ihre wunderbaren Phrasierungen, die ungefährdeten Höhen und die noble Eleganz ihres dunklen, samtigen Luxussoprans. Dies hörte man den ganzen Abend und insbesondere bei der großen Brief-Szene aus „Eugen Onegin“ ganz besonders, wobei auch die Überwindung der Schüchternheit der Tatjana wunderbar zur Geltung kam. Das war aber auch schon der Höhepunkt des Konzertes, bei dem sich das Knistern ansonsten nie so richtig einstellen wollte.

Mit dabei natürlich, wie schon fast immer, wieder ihr Gatte Yusif Eyvazov mit seinem riesengroßen Tenor. Seine Interpretationen haben zwar deutlich an Noblesse und Schattierungen zugelegt. Doch diesmal war sein in der Mittellage sehr metallisches, kehliges Timbre wieder sehr stark zu vernehmen. Ihn erlebte man bei der Arie des Lenski („Kuda, kuda“ – Wohin, wohin seid ihr entschwunden“), der emotionalen Rückschau auf dessen junges Leben ebenfalls aus der Oper „Eugen Onegin“, das man aber schon emotionaler gehört und berührender in Erinnerung hat.

Beide gemeinsam sangen sie das große und sehr lange Duett („Bleiben Sie stehen, ich flehe Sie an“) von Lisa und Hermann aus der Oper „Pique Dame“, worin ihre Seelen einer unausweichlichen, fatalen Liebe ausgebreitet werden. Dabei erhielten sie auch „Verstärkung“ von der wohltönenden Mezzosopranistin Szilvia Vörös als Gräfin, von der man gerne mehr gehört hätte.  Weiters wurde noch das Duett („Ich verstehe Dein Schweigen nicht“) von Iolanta und Vaudément aus der Oper „Iolanta“ mit seinem Happy End dargeboten.

Das Mozarteum OrchesterSalzburg unter Mikhail Tatarnikov begleitete meist recht robust und großteils viel zu laut. Zwar konnten die Musiker immer wieder ihre hohe Qualität ausspielen, jedoch wurde durch den russischen Dirigenten die Polonaise aus „Eugen Onegin“ zwar zündend aber ebenso wie das an sich lyrische „Rosen-Adagio“ aus dem Ballett „Dornröschen“ viel zu wuchtig und blechlastig musiziert

Trotz Riesenjubel, keine Zugabe für ein recht kurzes Konzert!

Dr. Helmut Christian Mayer

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