Würdiger weihevoller Parsifal in München

Xl_28-parsifal_2026_p.mattei_a.kampe_c_g.schied © Geoffrey Schied

Richard Wagner Parsifal Bayerische Staatsoper 8.4.2026

Würdiger weihevoller Parsifal in München

Die Osterzeit wird auch in München mit einer Wiederaufnahme des Bühnenweihfestspieles Parsifal von Richard Wagner begangen. Kein Werk ist so mit diesem christlichen Fest verbunden, wie die Gralsgeschichte und das Leiden der Gralsritter, die durch den Tor Parsifal, durch Mitleid erlöst werden.

2018 hat diese Inszenierung Premiere, die auf Grund des Bühnenbildes durch den bekannten Maler geschaffen wurde. So dominieren seine auf den Kopf gestellten Figuren zu Vor- und Zwischenspielen als Bühnenvorhang, eine dunkle apokalyptische Landschaft mit verkohlten Bäumen und einer zeltähnlichen Struktur aus drei Stämmen prägt den ersten Akt, auf dem Kopf gestellt findet sie sich im dritten Akt wieder. Ein weisser Wandteppich mit Mauerstruktur ist Klingsors Burg, die in sich zerfällt als Symbol für dessen Machtverlust.

Pierre Audi führte Regie in dieser düsteren Welt mit ruhigen langsamen Bewegungen. Seine nackten Gralsritter sowie Blunenmädchen in abstossenden Bodysuits mit allen möglichen hängenden Körperteilen treiben diese Tristesse zur Spitze. Die freudige langerwartete Erlösung findet hinter einem nebulösen Vorhang statt. Optisch erschließt sich so kein österlicher Frieden.

Als Dirgent wurde Sebastian Weigle, ehemals GMD der Oper Frankfurt und ein ausgesprochener Kenner der Partituren Wagners verpflichtet.  Breit und ruhig lässt er das Vorspiel in das Nationaltheater fließen, aufbäumende Steigerungen federt er ab, auch wenn er kräftige Volumen zulässt. Er baut so Erwartungen auf, die er aber in Spannung lässt und vermittelt einen meditativen Charakter. Dramatik setzt er im zweiten Akt mit komprimierten Klang ein. 

Das Orchester folgt präzise, Einsätze sitzen inkl hinter der Bühne. Hier ist insbesondere die Qualität und Wortdeutlichkeit des Chores hervorzuheben - EInstudierung Christoph Heil. Die Herren als Gralsritter, die Sängerinnen als Himmelssttimmen sitzen und wirken prächtig im Raum. Weigles Dirigat ist umsichtig und bezieht alle Mitwirkende ein.

Die Sängerbesetzung umfasst gut zusammengeführte Spitzenkräfte in ihrem Fach.  Selten ist Peter Mattei ausserhalb seiner schwedischen Heimat zu hören. Der Bariton überzeugt als Amfortas mit seiner klaren kräftigen Stimme, die er souverän und nuanciert führt. Geschmeidig bringt er sein Leid, seinen Kampf mit dem Amt und die Todessehnsucht unter einen Hut. Balint Szabo ist ein stimmgewaltiger Titurel aus dem Off.

Christof Fischesser setzt auf Aussprache, akklamiert mit starken Tönen verbleibt weitestgehend in einem gut gelegten Sprechgesang. Er verstärkt seine Wirkung durch seine Präsenz und gute Gestik. Gegen Ende zeigt er Ermüdung in dieser stimmlichen Monsterpartie.

Clay Hiley scheint mehr Spielfreude bei reduzierten Gewicht zu haben. Sein Parsifal erfreut besonders im zweiten Akt in einer durchschlagenden Szene mit einer überragenden Anja Kampe als Kundry. Sie versteht ihre dramatische Stimme akzentuiert farbenfroh und auch ohne Druck fließen zu lassen. Dazu flechtet sie markige Spitzentöne ein.

Josef Wagner ist ein wenig kämpferischer diabolischer Klingsor, im Gesang sicher und solide.

Insgesamt ein sehr würdiger, weihevoll und ergreifender Abend, der das Publikum in österliche feierliche Stimmung entlässt.

Großer Beifall.

Dr. Helmut Pitsch

 

 

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