Wozzeck München Trostlosigkeit in jedem Tropfen spürbar

Xl_img_1620

Besuch am 20.11.2019 Langsam, langsam sind die ersten Worte in diesem beklemmenden Gesellschaftsdrama. Georg Büchners ausweglose Schilderung vom armen Soldaten Wozzeck, dessen Leben chancenlos rechtschaffen ins Verderben führt löste einen wahren politischen Theaterskandal aus. Der junge Alban Berg stürzte sich begeistert in die Vertonung und schuf ein Meisterwerk der Klangfarben überwindet die Grenzen der Tonalität und Harmonielehre und geht mit seiner schlagenden Rhythmik und beißenden Tonalität unter die Haut. Andreas Kriegenburg bringt die ganze Tristesse in der Existenz Wozzecks auf die Bühne. Fremdbestimmt fehlt ihm jedes Recht auf eigene Lebensführung oder auch Privatsphäre und Familienleben. Die materielle Not verstrickt ihn nur noch mehr in Abhängigkeiten. Die Behausung ein schmuckloser abgewohnter Raum als hängender Guckkasten, der über der mit Wasser überspülten Bühne hängt. Gerade mit diesem Wasser, diesem See auf der Bühne gibt der Bühnenbildner Harald B Thor dem ganzen noch einen gehörigen Schuss trostlose Dekadenz. Dazu steckt Andrea Schraad den Chor in einfärbig sandfarbene Einteiler mit schwarzer Schattierung am Hals, die Gesichter zu weissen Fratzen geschminkt. Die träge Masse, die sensationslüstern dem Verderben folgt. Mit starken Bildern und einer ausgeklügelten feinsinnigen wie auch brutalen Personregie ist hier Andreas Kriegenburg eine ergreifende realistische Interpretation gelungen. Hartmut Hähnchen leitet die Wiederaufnahme mit viel Verve und Kraft, ab und an im Volumen überzogen und ausgefasert, aber in der Wirkung erschütternd bestechend. Christian Gerhaher schlüpft in die Rolle des glücklosen Titelhelden. Der Liedsänger vermittelt so mit seiner lyrischen Tenorstimme noch mehr Leid und widerstandslose Gütmütigkeit. Die wenigen Ausbruchsversuche untermauert er mit wohlgewählter Kraft. Ein gelungenes Hausdebüt in dieser aussagekräftigen Rolle. Wolfgang Ablinger Sperrhacke gibt dem Hauptmann einen guten Schuss Frivolität und Arroganz. Gehörig ausgestopft klammert er sich fettleibig auf zwei Stöcke und wird Ausdruck der Gemächlichkeit. John Daszak ist ein strammer stolzer Tambourmajor mit kräftiger Stimme. Gun Brit Barkmins Sopran erlaubt schneidende und weiche Töne, mehr Dialekt hätte in der Sprache hätte gut getan Das Publikum lässt sich vom Werk ergreifen und zeigt am Ende grosse Begeisterung

| Drucken

Mehr

Kommentare

Loading