© Amir Kaufmann
Georg Friedrich Händel Il Trionfo Festwochen Alte Musik Innsbruck 22.8.2026
Wenn Bellezza verblasst … Il Trionfo in Innsbruck
Mit 22 Jahren kam Georg Friedrich Händel nach Rom, um die italienische Musik, insbesondere die Oper, als auch das Leben zu studieren. Schnell fasste er Fuss und Freundschaften, unter anderem mit Kardinal Pamphilj, der ihm ein Libretto für ein Oratorium Il Trionfo del Tempo e del Disinganno- abgekürzt auch Il Trionfo. überreichte. Während des päpstlichen Opernverbotes ersetzte das Oratorium mit vergleichbaren Zügen ausgestattet die Kunstform der Oper.
Die Handlung ist auch eine Beobachtung der oberflächlichen römischen Gesellschaft. Bellezza, die Schönheit, wird von Piacere, dem Vergnügen zu irdischen Gelüsten verleitet, während il Tempo, die Zeit, und il Disinganno, die Ent- Täuschung, sie auf den Pfad der Tugend bringen wollen und sie am Ende erfolgreich von der Vergänglichkeit überzeugen.
Zum 50. Jubiläum der Innsbrucker Festwochen Alte Musik war auch Rene Jacobs, ehemals langjähriger musikalischer Leiter derselben, eingeladen. Nach seiner Absage übernimmt Attilio Cremonesi die Führung des Freiburger Barockorchester, das für seine originale Aufführungspraxis international anerkannt ist. Den barocken Instrumenten ist ein besonderer warmer weicher Klang eigen. Die Streicher sind mit Natursaiten bespannt, verschiedene Blasinstrumente erfordern ihre spezielle Technik im Spiel. Cremonesi führt die konzertante Aufführung engagiert klar im Taktschlag. Die Tempi sind ausgeglichen gewählt, halten Schwung und Frische. Mitunter lässt er die Solisten aufstehen und auch ihren Platz zu verlassen. Die Sänger behält er im Auge und begleitet umsichtig.
Das Sängerensemble zeigt sich in der Qualität unterschiedlich. Sunhae Im kann als Bellezza nicht überzeugen. In der Diktion wirken ihre Italienisch Kenntnisse holprig, ihre Interpretation ist ohne barocken Glanz und Leichtigkeit. Die für die Da Capo Arien geforderten Koloraturen sind nicht hörbar. In Mimik und Gestik wirkt sie unsicher und verloren. In der Höhe bleibt ihr Sopran leer ohne Körper.
Dagegen zeigt sich Kateryna Kasper als Piacere selbstbewusst und vertritt das Vergnügen mit genüsslicher Ausdruckskraft. Ihr Sopran hat eine passend dunkle Färbung, erreicht sicher und nuanciert Höhen und Tiefen. Leicht perlen ihre Koloraturen. Berührend ihre Arie Lascia la spina, deren Melodie Händel auch in späteren Werken verwendete wie viele andere. Der Countertenor Filippo Mineccia bestreitet farbenreich seinen Part als Disinganno. Mächtig vertritt er seine Argumente und tritt in streitbaren Dialog mit dem Vergnügen. Seine Spitzentöne werden immer wieder mit Nachdruck dramatisch, in der Tiefe fehlt den Tönen Volumen. Sehr solide die Gestaltung der Zeit durch Thomas Walker. Der Schotte verfügt über eine gute Technik in der Formung des Tones und eine lyrische klangfarbe.
Nicht nachvollziehbar ist die gewählte Aufstellung der Solisten. Die beiden Herren stehen hinter dem Orchester und sind so in ihrer Wirkung als auch Präsenz benachteiligt. Ein durchwachsener Abend -musikalisch hochwertig, gesanglich mit Abstrichen - geht mit viel Beifall im ausverkauften Haus der Musik zu Ende.
Dr. Helmut Pitsch
24. August 2026 | Drucken
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