WA Ring des Nibelungen in Wien – ein magisch durchdringender Fluch leitet die Tetralogie ein

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Richard Wagner Das Rheingold Wiener Staatsoper 19.5.2026

WA Ring des Nibelungen in Wien – ein magisch durchdringender Fluch leitet die Tetralogie ein

Die Wiener Staatsoper beschließt ihre diesjährige Saison mit zwei Zyklen von Richard Wagners Opus Maximus "Der Ring des Nibelungen". Die 20. Aufführung von Das Rheingold, dem Vorabend der Tetralogie in der Regie von Sven-Eric Bechtolf ist geprägt von einer Reihe von Rollen- und Hausdebuts. Bechtolfs Inszenierung in eher spartanischen aber umso ästhetischeren farbigen Bühnenbildern von Rolf Glittenberg ist märchenhaft werktreu. Er zeichnet die Charaktere intelligent und führt die Personen gestenreich mit ausreichender Interaktion.

Die musikalische Leitung des ersten Zyklus liegt bei Pablo Heras-Casado, der unlängst von Oper! Award zum Dirigenten des Jahres 2025.  Der Spanier ist gerade dabei, sich als kommender Wagner Dirigent zu etablieren. Im Januar hat er an der Opera de Paris Bastille einen Ringzyklus dirigiert (Regie Calixto Beito) und in Bayreuth wurde er für die Neuproduktion des „Ring des Nibelungen“ 2028 dirigieren. Bereits im Vorspiel zaubert er aus dem Orchester der Wiener Staatsoper transparente sehr romanitsche Naturstimmungen. Der Rhein entspringt in zarten Streichertönen und erquickt sich in perlenden Wellenspielen. Sein Dirigat hebt sich farblich von seinen deutschen Kollegen mit einer lebendigen runden weichen Tonsprache ab, die sehr naturalistisch und wenig zackige Ecken zeigt. Wohlgewählt sind die Tempi, die Spannung halten aber den Sängern ausreichend Zeit für eine gute Diktion ermöglichen. Ebenso bleibt er in Lautstärke und Volumen dosiert für die Sänger, nutzt aber mit aufbrausendem Schwung die zahlreichen Zwischenspiele und Zwischentöne, um prägnant die Handlung voranzutreiben und auch symphonisch zu erzählen. Die Musiker spielen trotz weniger Proben sehr gut zusammen, ein paar Unstimmigkeiten in den Bläsern gehen in der großartigen Gesamtleistung unter.

 

Nunmehr gibt Michael Volle sein Rollendebut an der Wiener Staatsoper auch als Wotan. Er zählt zur zeit zu den weltweit führenden Interpreten. Dies dokumentiert er auch hier eindrucksvoll mit seiner Wortdeutlichkeit und wunderbar vollen Baritonstimme. Geschmeidig führt diese durch den Abend, bleibt frisch und ausgewogen bis zum Ende. Im Spiel ist er bedächtig und ein alternder Gottvater, der mit Seniorität und Erfahrung punktet.

Umso spielfreudiger ist Georg Nigl als sein Gegenspieler  Alberich, der Herrscher der Nibelungen. Er ist vielbeschäftigt und preisgeklönt als Charakterdarsteller insbesondere in zeitgenössischen Opern. Sein Alberich ist ein verkniffener Sarkast, kein machtsüchtiger Draufgänger wie oft erlebt. Mit unglaublicher Flexibilität setzt er seine Stimme als Stilmittel ein. Mystisch kommen seine Piani, gewaltvoll bis dröhnend seine kräftigen Forti. Beides wahrhaft bedrohlich im Fluch verbunden. Sein Rollendebut ist eine interessante Begegnung mit einer neuartigen Darstellung.

Ein weiteres Rollendebut am Haus gibt Matthäus Schmidlechner. Der junge Salzburger debütierte 2025 als Mime und kehrt nun als Loge, dem Strippenzieher des Abends zurück. Zu Beginn etwas verhalten entwickelt er über den Abend ein subtiles Bild des Intriganten, der als Außenseiter der Götterwelt mit Abneigung gegenübersteht. Seine Gefühle bindet er geschickt in seine stimmliche Nuancierung ein.

Wiebke Lehmkuhl gibt ihr Hausdebut als Erda. Die Altistin ist für ihre farbenreiche klare dunkle Stimme bekannt. Ihr kurzes Erscheinen aus dem Untergrund hochgefahren strahlt übersinnliche Ruhe und orakelhafte Ferne aus, der Dialog mit Wotan hätte mehr Dramatik vertragen.  

Auch als Fricka stellt sich Szilvia Vörös neu in dieser Rolle am Haus vor. Stimmlich sicher und gut verständlich ist sie im Spiel zurückhaltend eine treue willfährige Gattin Wotans. Jenni Hietala ist eine frische wirbelige Freia mit gewohnter Inbrunst um Hilfe flehend.

Mit Simonas Strazdas als Fasolt und Matheus França als Fafner stellen sich zwei neue Riesen vor, die beide eine solide Leistung in ihren mächtigen Kostümen abgeben. )

Als Mime bewährt sich wieder in bester Manier Gerhard Siegel, Der Routinier weiß dem verdrucksten Nibelungen viel Aufmerksamkeit zu verleihen.

Clemens Unterreiner und  Daniel Jenz als Donner und Froh erscheinen in ihren zwei weißen Anzügen als schillernde Götter. Von der Regie vernächlässigt gelingt es beiden nicht wirklich ihren Rollen Gewicht zu verleihen.

Ileana Tonca als Woglinde,  Alma Neuhaus als Wellgunde und Stephanie Maitland als Flosshilde sind ein bewährtes Trio. Mit ihren ausschweifenden Kostümen vor eine Videoinstallation des Rheines werden ihre Rheintöchter ein verläßlicher Start in den ereignisreichen Abend.

 

Das Publikum zeigt seine Begeisterung für diesen Abend höchster musikalischer Qualität mit einem anerkennenden langanhaltenden Jubel.

 

Dr. Helmut Pitsch

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