Von der Bronx an den Inn - Der Liebestrank zum Abschluß der Tiroler Festspiele

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Von der legendären Verfilmung des Musicals West Side Story zeigen sich die Regisseurin Dorothea Kirschbaum sowie ihr Bühnenbildner Alexandre Corazzola in dieser Neuinszenierung in Zusammenarbeit mit der Oper Frankfurt von Gaetano Donizettis Melodramma "Elisir d'Amore" inspiriert. Durch eine vergitterte Absperrung dringen gut gealtert und immer noch zärtlich verliebt Nemorino und Adina während der Ouvertüre in einen heruntergekommenen, vom Abriss bedrohten, Vereinssaal einer Vorstadt ein, um dort noch einmal ihre berührende Liebesgeschichte zu erleben. Das Licht geht an und wir springen reibungslos Jahrzehnte zurück. Giannetta tritt als Chorleiterin auf und eine Chorprobe beginnt. Nemorino, ein einfacher verdruckster Teenager kümmert sich um einen im Rollstuhl sitzenden Alten, Adina, eine reiche flotte selbstbewußte junge Dame begleitet die Sänger am Klavier. Rasch wechseln die Nutzer des Vereinssaals. Eine Turnriege tritt auf und empfängt den Quacksalber Dulcamara, im weissen Anzug mit Goldslipper. Belcore ist der fesche, eingebildete Anführer eines Sicherheitsdienstes. Der Chor schlüpft eifrig in bunte oft schräge Kostüme von Dorothea Jolsten geschaffen. Ein paar Tiroler Dirndln sind auch dabei. Der magische Liebestrank ist eine nichtssagende Flasche Wein, wie vom Supermarkt nebenan. Schnell wird der Saal zur Hochzeitsfeier geschmückt. Ein schmuckloser Einbau im Raum dient als Bar. Ohne grosse Umbauten kann so die Handlung pausenlos fließen. Dazu hat die junge Regisseurin auch mit viel Eingebung an der Personenführung gearbeitet und es gelingt eine schwungvolle, unterhaltsame und überzeugende Umsetzung. Mit ein paar kleinen witzigen Ergänzungen zu Libretto und Partitur reichert sie das „Dramma comico“ geschickt an.  

Der folgt am Pult Sesto Quatrini mit grosser, fast zu großer Orchesterbesetzung. Immer wieder fordert er die flott aufspielenden Musiker zur Zurückhaltung auf und animiert die Sänger zu selbstbewussten Auftritten. Seine Tempi hat er gut gewählt und führt den für Belcanto nötigen Melodiefaden klar in der Linie. Das Orchester und der Chor zeigen sich bestens vorbereitet und tragen zu dem Erfolg des Abends wesentlich bei.

Auf der Bühne überzeugen die jungen Sänger, zumeist aus dem Frankfurter Opernstudio mit ihren frischen sehr guten Stimmen und ihrem Spiel. Benedetta Torre verwandelt Adina in eine charaktervolle charmante junge Frau. Mit einem kraftvollen, reinen und höhensicheren Sopran setzt sie in jedem ihrer Auftritte Akzente. Lyrisch intim, locker, kokett rätselhaft bis energisch färbt sie dabei die Stimmung und springt treffsicher in den verschiedenen Lagen. Jonathan Abernethy überzeugt mit einer gut timbrierten Tenorstimme als einfältiger ehrlicher Nemorino. Sein Stimmvolumen zeigt viele Reserven, cantilenenhaft würzt er seine Arien. Mitleid regt sich bei seiner grossen Arie „una furtiva lacrima“, aber hier drückt er bewusst nicht zu stark auf die Tränendrüse, sondern läßt seine Hoffnung weiter keimen, seinen Gegenspieler Belcore doch noch zu besiegen. In diesem hat er mit dem jungen Rumänen Mikolaj Trqbka einen gutaussehenden und stimmgewaltigen Nebenbuhler. Sein Bariton kann schmettern, dass der Saal aufgerüttelt wird, und das scheint dem schlanken Sänger Freude zu bereiten. Aber auch lyrische Momente gelingen ihm, wobei der Schmelz in der Stimme noch dünn erscheint. Sam Handley ist ein munterer Dulcamara mit mafiösen Allüren, der überall seine Finger im Spiel hat. Stimmlich sicher versucht er die Autorität aber auch der hinterhältige Flüsterer zu sein. Barbara Massaro spielt eine umtriebige sehr präsente, stimmliche einwandfreie Gianetta. Das Publikum applaudiert begeistert.

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