Volle schwungvolle Orchesterklänge Mariinsky und Gergiev in Ravenna

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Ein offener fast quadratischer Innenhof, ein architektonisches Juwel aus dem 18. Jahrhundert, wird zum Aufführungsort des renommierten Ravenna Festivals, welches so mit Freiluftkonzerten den Restriktionen durch das Corona Virus trotzt. 1771 bis 1774 errichtet diente der sogenannte Paviglione in Lugo als Markt für die wertvollen Seidenraupen. Der heute verschlafen anmutende Ort blickt auf eine bedeutende Wirtschaftsgeschichte zurück. Jetzt wird er zum kulturellen Zentrum und die Klassikstars und ihre Anhänger bevölkern die Straßen und Plätze der Stadt. Riccardo Muti eröffnete mutig die diesjährige Saison kurz nach den Lockerungen.

Valery Gergiev und das Orchester des Mariinsky Theaters sind Gäste des Festivals und bieten einen bunten Strauß an Orchesterwerken. Eingangs wird Gioachino Rossini die Verehrung erwiesen, der nicht weit von hier in Pesaro geboren ist. Seine Ouvertüre zur Oper La Cenerentola strotzt vor schwingvollen klangvollen Melodien nach einer mystisch dunklen nahezu kammermusikalischen Einführung. Schnell kommt das Orchester nach ein paar lähmenden Takten vom Maestro angetrieben in Fahrt. In gewohnter Lässigkeit mit flatternden Handbewegungen versucht er das Orchester zu Leichtigkeit zu motivieren. Wohl fühlen sich die Musiker hörbar bei Sergej Prokovievs 1. Symphonie op 25, der „Klassischen“. Angelehnt an die Meister des Barock und der Klassik schuf der Russe ein zündendes Werk, das einer gewissen russischen Prägung unterliegt. Präzis, zackig treibend scheint das Orchester über einige Passagen zu marschieren, um sich wiederum in nahezu schwebende Auflösung zu begeben. Rasch ist der Wechsel zur flirrenden Musik des Impressionisten Claude Debussy. Seine Komposition „Prelude a l’Apres Midi d’un Faun“ zählt zu den prägenden Werken der Stilrichtung. Schlafend träumend wandeln die Musiker durch die Partitur, die Soliflötistin führt mit leichtem Ton gefühlvoll inspiriert. Noch einmal kommt italienisches Temperament auf. Felix Mendelsohn Bartholdy’s 4. Symphonie trägt auch den treffenden Beinamen „Italienische“. Es sind die Rhythmen, die strahlenden Steigerungen, die dem Werk einen so positiven und mitreißenden Eindruck vermitteln. Wiederum arbeitet Valery Gergiev mit Gestik und Mimik, schwungvoll luftig prickelnd folgt das Orchester, lässt aber einen Schuss russische Melancholie einfließen.

Zu schnell verrinnt der Abend. Coronabedingt bleibt das Programm auf knapp eine Stunde ohne Pause begrenzt. Aber es tut so gut wieder volle Orchesterklänge zu hören und zu fühlen. Das Publikum dankt begeistert.

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