Tiroler Festspiele Bernd Loebe setzt neue Akzente

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Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt trat an diesem Wochenende seine Position auch als neuer künstlerischer Geschäftsführer der Tiroler Festspiele in Erl an. Diese gerieten durch die Vorgänge um den zurückgetretenen jahrelangen künstlerischen Leiter und Intendanten Gustav Kuhn in die Schlagzeilen. Neben Vorwürfen sexueller Belästigung waren auch wirtschaftliche Belange Gegenstand von Untersuchungen und Anklagen. Umso mehr fand die Auswahl von Bernd Loebe internationale Beachtung und seine ersten künstlerischen Entscheidungen hohe Aufmerksamkeit. Das diesjährige Erntedankfest trägt als erstes seine gestalterische Handschrift mit einem spannenden, vielseitigen und neuartigen Programmkonzept für das Wochenende.

"An der Schwelle zur Moderne" titulieren sich zwei Symphoniekonzerte des bestens vorbereiteten und überzeugend aufspielenden Tiroler Festspielorchesters. Junge Musiker vornehmlich aus Weissrussland bilden den Kern, verstärkt mit preisgekrönten jungen Musikern aus verschiedenen Ländern. Seit 1999 konnten die Musiker produktionsabhängig in unterschiedlichen Besetzungen über Jahre hinweg miteinander wachsen. Die stilistische Bandbreite des Orchesters umfasst bedeutende, aber auch weniger bekannte Werke der Opern- und sinfonischen Literatur vom Barock über die Romantik bis hin zu zeitgenössischem Repertoire. Unter dem neuen künstlerischen Leiter spielt das Orchester jetzt mit renommierten aber auch jungen aufstrebenden Dirigenten zusammen.

Symphonische Werke und Solistenkonzerte gehören nunmehr wesentlich neben Opern wie bisher zum Programm in Erl. Unter der Leitung von Valentin Uryupin geht es am Eröffnungsabend nach Finnland und Russland mit melancholisch gefühlvollen Werken von Jean Sibelius und Anatoli Konstantinowitsch Ljadlow. Der junge kanadische Geiger, chinesischer Abstammung Timothy Chooi gewann bereits mehrere internationale Wettbewerbe und präsentiert technisch ausgereift das Violinkonzert von Jean Sibelius.

Unter Lothar Koenigs führt das Orchester anspruchsvoll nach Österreich und Deutschland Die Münchner Sopranistin Anna Gabler bietet in der Schlussszene von Richard Strauss Spätwerk "Capriccio" herrschaftlichen Glanz und Eleganz als Gräfin Madeleine und philosophiert charmant über das Leben und die Kunst mit ihrem dunklen prägnant gefärbten Sopran, der sich für Liedgesang besonders eignet. Die vier Orchesterlieder des wenig bekannten Grazer Komponisten Joseph Marx (1882-1964) sind noch ganz von der Harmonie der Spätromantik geprägt und baden in ausdrucksstarken Gefühlswallungen. Die junge Münchnerin wird samten weich vom Orchester begleitet und spiegelt schwelgend klar und wortverständlich die unterlegten Stimmungen wieder. Arnold Schönberg kämpft spürbar in seinem Werk Pelleas und Melisande mit den Grenzen der klassischen Harmonielehre und bricht immer wieder expressiv und in Dissonanz aus. Impressionistische Klangfärbungen nutzt er um musikalische Bilder zu malen. Auch hier wiederum zeigt das Orchester seine Reife und Flexibilität.

Spannend ist der Vergleich von vier jungen Pianisten/innen in ihrer Interpretation von Werken des polnischen Klaviervirtuosen Frederic Chopin. Vier einstündige Solistenkonzerte in Folge bieten die Möglichkeit Unterschiede in Technik, Ausdruck oder Anschlag gegenüberzustellen. Dabei gelingt es dem Zuhörer die Nuancen und Farbenpracht des Instrumentes im Spiel von Dramatik und Lyrik zu erfühlen. Flexibilität und Lebendigkeit, Kraft und Gefühl sind Komponenten, die in der Darstellung der romantischen und technisch anspruchsvollen Werke Chopins Gestaltungskraft vermitteln.

Das Publikum zeigte sich begeistert von diesem neuen Programmformat. Ansprechend und vielversprechend auch das Programm der Winterfestspiele. Der Leitungswechsel eröffnet eine neue Programmvielfalt mit herausragenden Künstlern und läutet eine neue Ära ein.

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