Teatro Arriaga Bilbao Bosch Dreams Phantasiewelt des Meisters der Renaissance wird lebendig

Xl_bosch_workshop_02_per_morten_abrahamsen-hpr Vor 500 Jahren verstarb der geniale Maler Hieronymus Bosch. Seine Werke sind vielen Betrachtern unvergesslich. Genial und für Generationen von Malern bahnbrechend in deren Entwicklung sind seine Aufarbeitung religiöser und gesellschaftspolitischer Themen. Seine überbordenden Bilderrätsel mit unzähligen Phantasiefiguren wurden von den Symbolisten im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, die Surrealisten holten sich bei dem flämischen Meister viele Ideen und Motive. So auch die kanadische Artistengruppe Les 7 doigts de la main. In einer Mischung aus Ballett und Circus versetzen Sie das Publikum lebendig mit geschickten stilvollen Videoprojektionen in die Bilderwelt des Meister. Bosch Dreams ist eine Aneinanderreihung von Szenen, eine verbindende Handlung oder roter Faden lässt sich nicht wirklich erkennen. Lähmend sind die Monologe eines vermeintlichen Professors, der manche Werke anschaulich beschreibt und Bruchstücke einer Geschichte erzählt. Wir stehen am Sterbebett des Meisters, ein Mädchen mit rotem Ball und modernen Kleidern wandert durch die Traumwelt der Bilder und Ihr Ball wird spielerisch ein Bindeglied. Technisch beeindruckend und unterhaltsam sind die Videos, die aus einzelnen skurrilen Bildelementen des Malers herauswachsen. Da wird ein Tänzer in der Muschel von einem phantasievollen Lebewesen herumgetragen oder ein Künstler turnt in einer Luftblase. Man denkt an das Konzept von Cirque de Soleil, ebenso kanadisch, welches den Betrachter in Illusionen entführt. Das artistische Niveau ist aber nicht vergleichbar. Es wird jongliert, am Seil geturnt, in einem Ring in verschiedenen Figuren geschwebt oder am Trapez geschwungen. Die musikalische Untermalung ist bunt aus Barock, über Beat bis zu zeitgenössischen sphärischen Klängen aber stimmig zusammen gesetzt. Es mischt sich Zirkusluft und Tanztheater in der Phantasiewelt. Viele ansprechende Ansätze und optische Ideen begeistern. Bild- und reale Welt finden gut zueinander. Stoff findet man bei Bosch genug. In den 90 Minuten zieht das Ensemble die Zuschauer merkbar in den Bann und wird dafür mit viel Beifall belohnt. Helmut Pitsch Copyright Argazkiak | Drucken

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