"Steary heavens" - Der gestirnte Himmel ein anderer Beethoven Abend zum Geburtstag

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Viele Feiern waren für den grossen Komponisten Ludwig van Beethoven zu seinem 250. Geburtstag 2020 angesetzt und wenig wurde umgesetzt. Der Virus hat auch diese Ehrenbezeugungen gebremst. So wird das Gedenkjahr vielerorts verlängert. So auch in München, das in seinem Corona Spielplan immer wieder Montags Raritäten präsentiert.

In Englisch gesungen startet Edwin Crossley Mercer mit den Irish Songs von Ludwig van Beethoven. Außergewöhnliches das den Meister volkstümlich und tänzerisch erscheinen lassen. Sein Sturm und Drang ist ebenso klar erkennbar. 25 Lieder komponierte er im Auftrag von George Thomson 1810-1814, wobei der Text zu seinen arrangierten Melodien hinzugefügt wurde. Ebenso wurde er von George Thomson beauftragt ein Zyklus Schottischer Lieder zu erarbeiten. Volksmusik erfreute sich gesteigerter Wahrnehmung und kann als Ausdruck der sich entwickelnden Romantik sowie des Nationalstolzes gewertet werden. Für den freiheitsliebenden Komponisten und Revolutionsverehrer war es aber auch eine wichtige Einnahmequelle. Die musikalische Reise führt uns in die schottischen Highlands. In den schottischen Liedern opus 108 sind Landschaft und Folklore klar erkennbar. Leicht und spielerisch balladenhaft erzählt der Meister ländliche Begebenheiten von Hirten, Tanz, Wirthaus und Liebe.

Der Franzose weiss die Worte wohl mit Inhalt und Ausdruck zu formen. Weich führt er die Melodien aus, schmiegt sich an die kammermusikalische Begleitung durch das Prätorius Quartett. Mitreißend animierend setzt er die Rhythmen, authentisch ungekünstelt wirkt sein Vortrag. Aus voller Brust schmettert er überzeugend die Töne. Seine Naturverbundenheit zum Land, wirkt auch im Frack im leeren Nationaltheater in München.

Sechs Lieder von Gellert op 48 bietet anschließend Lise Davidsen. Ihre deutsche Aussprache ist etwas undeutlich und somit verliert die Wirkung. Ihr eleganter dunkler Sopran füllt die gottesfürchtigen Lieder feierlich und ehrenvoll. Fromm und wie ein Kirchenlied muten die Melodien, ehrfurchtsvoll und schlank die Melodiebögen. Charmant begleitet Sophie Raynaud am Klavier.

Bunt ist die Gestaltung der Bühne um die beiden Solisten. Kerzenständer, eine Gebäudekonstruktion im Hintergrund wirkt wie ein Theaterfoyer. Die Kamera führt uns danach unter die Bühne, wo der scheidende Intendant der Bayerischen Staatsoper Nikolaus Bachler die Zuseher erwartet und an einem Schreibtisch umrahmt von Kerzen das Heligenstädter Testament rezitiert. Dieses berühmte und ebenso tragische Dokument als Brief an seine beiden Brüder 1802 verfasst gibt Zeugnis des Inneren des Komponisten und seines Lebens in Taubheit. Es zeugt vom edlen Charakter, weitsichtigen Geist und seinem kämpferischen Willen.

Das Prätorius Quartett schließt mit dem dritten Satz aus dem Streichquartett a- moll op 132, eines seiner letzten Werke, mit denen sich Beethoven verabschiedete und sein Genie dokumentiert. Stimmungsvoll andächtig verhallen die Töne im leeren grossen Zuschauerraum. Schmerzvoll wirkt dieser langsame Satz der die wunderbare Satzbezeichnung trägt. Canzona di Ringraziamemto Lied des Dankes. Versöhnender kann der Abschied nicht genommen werden.

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